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Bildung fürs Leben – 12 wichtige Schritte

  1. 1

    BildungsRahmenPlan und Ausbildungsoffensive für die Elementarpädagogik

  2. 2

    Länger gemeinsam lernen in der sechsjährigen Volksschule

    Langfristige Vision
  3. 3

    „Demokratie, Kommunikation & Konfliktlösung“ und „Wirtschaft & Berufsorientierung“ als neue Fächer für die 10-14jährigen in der Mittelstufe

  4. 4

    Mittlere Reife mit Bildungspflicht und Förderpflicht

  5. 5

    Duale Oberstufe aus PTS und Berufsschule

    Langfristige Vision
  6. 6

    „Medien & Demokratie“ und „Informatik & KI“ in der AHS-Oberstufe

  7. 7

    Moderne Lehrpläne für die Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen

  8. 8

    Mehr inklusive Bildung und sonderpädagogische Förderung

  9. 9

    Agile Schulen mit Autonomie statt Bürokratie

  10. 10

    Schul- und Unterrichtsentwicklung mit Daten im fairen Vergleich

  11. 11

    Praxisnahe Lehrkräfte-Ausbildung in der School of Education

    Langfristige Vision
  12. 12

    Schulbuchaktion 2.0 und Marktplatz Lernapps

Christoph Wiederkehr lächelt und gestikuliert während eines Vortrags oder einer Präsentation vor neutralem Hintergrund.

„In jedem Kind schlummert ein Genie.“

Bundesminister Christoph Wiederkehr

Das Fernrohr-Zeichen kennzeichnet langfristige Visionen, deren Umsetzung länger als eine Legislaturperiode dauert.

Plan Zukunft Logo

Vorwort

Bildung fürs Leben“ – so lautet der Anspruch an unser Bildungssystem, den ich mit dem Plan Zukunft erhebe. Das ist zugleich banal und hoch komplex. Unsere Welt – und wie wir miteinander leben und arbeiten – verändert sich rasant. Wie gut es gelingt, diesen Wandel zu gestalten, Freiheit und Sicherheit zu bewahren und Wohlstand immer wieder neu zu erarbeiten, darüber entscheidet vor allem eines: die Bildung.

Mit dem Plan Zukunft richten wir den Blick nach vorne – er soll Vision, Leitlinie und teils auch schon konkrete Handlungsanleitung sein, wie wir die Bildung auf die Überholspur bringen. Er hat dabei alle Kinder und Jugendlichen im Blick, egal aus welchem Elternhaus sie kommen.

Für jene unter ihnen, die es schwerer haben – etwa mit sozialen, sprachlichen, psychischen oder physischen Herausforderungen –, werden wir neben dem Plan Zukunft weiterhin mit großem Elan an der Aufholjagd arbeiten, die ich mit meinem Amtsantritt ausgerufen habe. Faire Chancen und der gesellschaftliche Zusammenhalt bleiben dabei im Fokus.

Mehr Freiheit und weniger Bürokratie bleibt ebenfalls ein Schwerpunkt meiner Arbeit – mit der Initiative Freiraum Schule kommen wir von der Erfassung der Probleme und der Erarbeitung von Lösungen nun Schritt für Schritt in die Umsetzung. Das Ziel der Initiative ist, mehr Zeit für das Wesentliche – die pädagogische Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen – freizumachen.

Die Elementarpädagogik, also Kindergärten und Kleinkindbetreuung, sind in Österreich Sache der Bundesländer. Doch auch hier setze ich mich für bessere Bildung ein, unter anderem im Zuge der Reformpartnerschaft mit Ländern und Gemeinden, die wir dazu nutzen wollen, österreichweite Qualitätsstandards für die Elementarpädagogik als erste Bildungsstufe zu verankern.

Der Plan Zukunft deckt also nicht alles ab, was ein gutes Bildungssystem ausmacht. Er fokussiert auf die Frage, welche Fähigkeiten, welches Wissen und welche Haltungen junge Menschen mitbekommen sollen, um in einer offenen, dynamischen und komplexen Welt selbstbestimmt handeln zu können. Welche das sind und wie wir sie erreichen, wollen wir hier darlegen – als Meilenstein in einem Prozess des Wandels, den wir im Bildungswesen alle gemeinsam gestalten.

Mein Dank gilt allen, die in Umfragen, Bürgerforen, Arbeitsgruppen und vielen Arbeitsstunden ihren wichtigen Beitrag zum Plan Zukunft geleistet haben. Auch die nächsten Schritte werden wir gemeinsam gehen, denn nur so schaffen wir beste Bildung für alle.

Diesen Plan für ein reformiertes und gestärktes Bildungswesen wollen wir mit Umsicht und Tatkraft zum Leben erwecken. Manche Maßnahmen dieses Plans stehen kurz vor der Umsetzung, manche Visionen erfordern noch viel Entwicklungs- und Überzeugungsarbeit. Sie alle sind Puzzlesteine eines gemeinsamen Zielbilds: Bildung für ein gelingendes Leben.

Unterschrift von Christoph Wiederkehr
Christoph Wiederkehr
Grafik „Bildung fürs Leben“ mit zentralen Themen wie Plan Zukunft, Aufholjagd, Elementarpädagogik und Freiraum Schule, dargestellt mit bunten, stilisierten Figuren.

Warum wir Bildung neu denken müssen

Christoph Wiederkehr im Anzug spricht mit Mikrofon vor einer kleinen Gruppe von Zuhörenden in einem Innenraum.
Mehrere Schüler:innen sitzen an einem Tisch im Klassenraum, hören zu und arbeiten, eine Person meldet sich.
Christoph Wiederkehr im Gespräch mit einer Gruppe von Schüler:innen und Erwachsenen in einem Innenraum, lockere Interaktion in kleiner Runde.

Bürgerinnen- und Bürgerforen zum Plan Zukunft (Fotocredit: BKA 2026)

Gesellschaft

Antworten für eine neue Welt finden

Welche konkreten Anforderungen künftig im Berufs- und Alltagsleben gefragt sind, lässt sich heute nur begrenzt vorhersagen. Künstliche Intelligenz, Automatisierung, Robotik und eine neu geordnete Medienlandschaft verändern unser Arbeitsleben, unser Denken und unsere Kommunikation. Gleichzeitig verändert sich die Bildung in ihren Grundlagen durch die digitale Transformation und die nahezu unbegrenzte Verfügbarkeit von Wissen. Globale Krisen wie Klimawandel, Migration und demografischer Wandel stellen politische Systeme und gesellschaftlichen Zusammenhalt auf die Probe. Das bestehende Bildungssystem liefert darauf keine ausreichenden Antworten. Wirtschaftlicher Wohlstand, gesellschaftliche Stabilität und individuelle Orientierung in einer komplexen Welt hängen davon ab, wie gut Bildung vermittelt und angenommen wird.

„80% der Pädagog:innen sehen Social Media als sehr große Herausforderung für Lernen und Konzentration.“* (Quelle: Hajek, 2026)

*) Quelle: Meinungsumfrage im Auftrag des BMB im Jänner 2026, an der sich rund 45.000 Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und Eltern beteiligt haben. (Meinungsforschungsinstitut: Peter Hajek Public Opinion Strategies)

Permanenter Wandel braucht Einordnung

In der Zukunft wird die Fähigkeit, sich in einem permanenten Wandel zurechtzufinden, immer wichtiger. Viele verfügbare Informationen erfordern die Fähigkeit, relevante Zusammenhänge zu erkennen, einzuordnen und so gute Entscheidungen zu treffen.

Fakten sind heute leichter zu recherchieren. Gleichzeitig verlieren traditionelle Informations- und Deutungsstrukturen an Bindekraft. Bildung entscheidet zunehmend darüber, wer Informationen kritisch bewerten, verstehen und so Entwicklungen aktiv mitgestalten kann.

Gesellschaftliche Stärke und Orientierung schaffen

Demokratie und Menschenrechte werden weltweit herausgefordert. Eine Ordnung, die Europa über Jahrzehnte Stabilität und Wohlstand ermöglicht hat, gerät unter Druck. Hier kann und muss Bildung die gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit stärken.

Große Umbrüche bringen oft Unsicherheit. Risiken zu erkennen und mit dieser Unsicherheit konstruktiv umzugehen, ist auch eine Aufgabe der Bildung. Sie kann Orientierung geben, Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit stärken und damit zur Stabilität demokratischer Gesellschaften beitragen.

Vor diesem Hintergrund kommt Bildungseinrichtungen und allen, die dort arbeiten, eine besondere Verantwortung zu. Schulen und Kindergärten sollen Orte sein, an denen junge Menschen lernen, Veränderungen einzuordnen, Widersprüche auszuhalten und handlungsfähig zu bleiben.

So rückt der Mensch als Gestalter seines Lebens in den Mittelpunkt.

Mensch

Persönlichkeiten selbstständig wachsen lassen

Schulen und Kindergärten haben den Auftrag, junge Menschen dazu zu befähigen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Sie sollen das Bildungssystem als eigenständige Persönlichkeiten verlassen, die wirtschaftlich, sozial und gesellschaftlich handlungsfähig sind. Bildung endet nicht mit einem Abschluss, sondern mit der Fähigkeit, das eigene Leben zu führen und zur Weiterentwicklung der Gesellschaft beizutragen. Angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen muss Bildung Klarheit über ihren Anspruch gegenüber dem einzelnen Menschen haben.

Vom Wissen zum Verstehen

Bildung muss mehr leisten als die reine Vermittlung von Fakten. Es geht um wichtige Kompetenzen, die weiterentwickelt werden sollen. Etwa kritisch zu denken, Zusammenhänge zu verstehen, eigenständige Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Wer neugierig und ausdauernd lernen kann, gewinnt Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit und hat Freude dabei, Veränderungen aktiv mitzugestalten. Wir müssen vom Wissen zum Verstehen gelangen und zur Fähigkeit, neue Herausforderungen zu bewältigen, die wir heute noch gar nicht kennen.

Ein zentraler Anspruch von Bildung ist es, junge Menschen zu befähigen, wirtschaftlich selbstständig zu werden. Neben persönlicher Resilienz und Anpassungsfähigkeit brauchen sie Kompetenzen, die ein eigenständiges Bestreiten des Lebensunterhalts ermöglichen – unabhängig vom individuellen Bildungsweg.

Zwei Kinder sitzen im Klassenzimmer und lächeln in die Kamera, dekoriert mit bunten Bleistiftspänen wie Flügeln und Kopfschmuck.

Leistung, Werte und Verantwortung

„3 von 4 Eltern sagen: Das Schulsystem bereitet Kinder nicht ausreichend aufs Leben vor.“*
*) Quelle: Hajek (2026)

Anstrengung, Ausdauer und Disziplin sind Voraussetzungen persönlicher Unabhängigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe. Kreativität bleibt auch in Zukunft eine zentrale menschliche Fähigkeit. Pädagogischer Gestaltungsspielraum, individuelle Förderung und umfassende Persönlichkeitsbildung stehen dabei nicht im Widerspruch zum Leistungsprinzip, sondern sind dessen Voraussetzung in einer sich wandelnden Gesellschaft.

Leistung braucht Orientierung. Die gemeinsamen Werte von Demokratie, Menschenwürde und Pluralismus bilden die Grundlage für Freiheit, Zusammenhalt und Wohlstand. Schule vermittelt, dass Verantwortung nicht abstrakt ist, sondern jeden Einzelnen betrifft. Damit stellt sich zugleich die Frage nach den Grenzen dessen, was Bildung leisten kann.

Eine junge Frau hält ein Buch vor ihr Gesicht und schaut darüber hinweg, verziert mit einer großen Bleistiftspäne und einer kleinen Zeichnung auf dem Buch.

Grenzen

Wo Bildung Verantwortung übernimmt

Gute Bildung ist ein Schlüssel zur aktiven Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels. Wenn klar geregelt ist, wer zuständig ist, und Verantwortung gemeinsam getragen wird, kann sie nachhaltig wirken. Erziehung und Bildung greifen ineinander, ohne dabei identisch zu werden. Für ein leistungsfähiges Bildungssystem sind deshalb zwei Dinge wichtig: klare Aufgabenbeschreibungen und die Bereitschaft, seine Grenzen anzuerkennen.

„Integration, Folgen von Zuwanderung und Sprachdefizite zählen laut Eltern zu den größten Problemen im Schulalltag.“* (Quelle: Hajek, 2026)

Bildung braucht Partner

Bildung ist eine zentrale öffentliche Aufgabe mit dem Ziel, gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen – unabhängig von Herkunft oder sozialem Status. Gleichzeitig darf das Bildungssystem nicht mit Erwartungen überfrachtet werden, die es nicht erfüllen kann. Schulen und Kindergärten sind keine Ersatzorte für elterliche Erziehung und können soziale Probleme nicht allein ausgleichen.

Wo es um Chancengerechtigkeit geht, können Bildungseinrichtungen unterstützen und kompensieren. Die Verantwortung liegt aber immer in mehreren Händen. Politik schafft Rahmenbedingungen, stellt Ressourcen bereit und ermöglicht Kooperationen. Zum Beispiel mit Gesundheitseinrichtungen, dem Sozialbereich und der Jugendarbeit. Bildung gelingt dann, wenn Verantwortung gemeinsam wahrgenommen wird.

Auf dieser Grundlage ist der konkrete Auftrag von Bildung klar definiert.

Eine Lehrerin schreibt an eine Tafel „1 + 1 =“, während mehrere Kinder vor ihr sitzen und zuschauen, umgeben von dekorativen Bleistiftspänen.

Auftrag

Was Bildung leisten soll

Schulen, Kindergärten und andere Bildungs- und Betreuungseinrichtungen müssen mit Veränderungen umgehen können, indem sie ihren Bildungsalltag konsequent weiterentwickeln. Lernformen, Inhalte und pädagogische Rollen müssen mitwachsen und agil bleiben. Bildungseinrichtungen sind dabei Lebensräume, Arbeitsräume und Entwicklungsräume zugleich. Sie vermitteln Freude am Lernen und zeigen den Kindern und Jugendlichen vor allem, dass Wissen, Anstrengung und Können Voraussetzungen für ein gelingendes Leben sind.

Kompetenzen über Fächer verbinden

Zeitgemäße Allgemeinbildung besteht im Kern aus Grundkompetenzen, digitaler Souveränität, sozialen und adaptiven Fähigkeiten, Kreativität und kritischem Denken. All das steht nicht in Konkurrenz, sondern ergänzt einander. Bildung hat den Auftrag, diese Kompetenzen systematisch zu entwickeln und zu verbinden.

Fächerübergreifendes Lernen und projektorientierter Unterricht fördern vertieftes Verständnis und vernetztes Denken. Wer Zusammenhänge erkennen kann, versteht auch komplexe Fragen, kann Probleme lösen und Verantwortung übernehmen.

„Die befragten Schüler:innen, Pädagog:innen und Eltern sind sich einig: Soziale Kompetenzen und kritisches Denken müssen einen höheren Stellenwert einnehmen.“* (Quelle: Hajek, 2026)

Lehrkräfte als entscheidender Faktor

Unterricht ist gemeinschaftliche Arbeit. Lehrkräfte entwickeln ihre Rolle weiter – von der reinen Wissensvermittlung hin zur pädagogischen Begleitung und professionellen Führung von Lernprozessen. Sie verbinden fachliche Kompetenz mit didaktischem und pädagogischem Wissen und arbeiten im Team mit anderen Lehrkräften und Unterstützungspersonal.

Lernumgebungen werden so gestaltet, dass Kompetenzen wachsen und Lernfreude entsteht. Sie sind Vorbilder für lebenslanges Lernen und für einen reflektierten Umgang mit Veränderung.

Bildung eröffnet Potenziale

Bildung orientiert sich immer am einzelnen Menschen und nie an starren Normen. Jedes Kind soll erfahren, dass seine individuellen Stärken zählen und weiterentwickelt werden können. Ein kontinuierlicher Austausch mit Eltern, sozialem Umfeld, Wirtschaft und Zivilgesellschaft trägt dazu bei, Lernen lebensnah und wirksam zu gestalten.

Schulen und Kindergärten sind Teil der Gesellschaft und wirken in sie hinein. Hier finden Leistung und persönliche Entfaltung zusammen, hier werden Fehler als Teil des Lernens verstanden und hier kann Neugier wachsen. Ein Raum, der fordert und unterstützt, Orientierung gibt und Perspektiven eröffnet – für ein selbstbestimmtes Leben nach der Schulzeit.

Wie wir Rahmenbedingungen verbessern

Ein Jugendlicher im gelben T-Shirt sitzt vor einem Tablet und bedient es, mit bunten Bleistiftspänen als grafische Elemente im Bild.

Schulautonomie

Freiheit als Schlüssel zu moderner Bildung

Mit der Bildungsreform 2017 wurden Schulen als eigenverantwortliche pädagogische Organisationen gestärkt. Das Ziel war es, flexibler auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen zu können. Auch regionale Besonderheiten wurden berücksichtigt. Zur Ausschöpfung Ihrer Möglichkeiten waren jedoch die rechtlichen Regelungen teilweise zu komplex und teilweise nicht verständlich genug, was zu Unsicherheiten führte. Schulleitungen wünschten sich weitergehende Freiheiten, um ihre Schule zu gestalten. So blieb das volle Potenzial schulischer Autonomie zu oft ungenutzt.

Schule als Gestaltungsort für alle

Schulautonomie ist ein großer Schritt in die richtige Richtung – weg von zentralen Anweisungen, hin zu Co-Kreation auf Augenhöhe. Die Schule der Zukunft handelt eigenverantwortlich. Wirkungsorientierung und Kreativität werden auf allen Ebenen gelebt: pädagogisch, organisatorisch, personell und finanziell. In dieser lebendigen Umgebung können Ideen wachsen. Durch die Teamarbeit können alle ihr Potenzial und ihre Stärken entfalten: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Schulleitung. Schulautonomie wird als gemeinsame Chance erlebt, sich aktiv einzubringen und die Schule als Team zu gestalten.

„Gute Schule entsteht durch Beziehungen, durch Vertrauen, durch schulautonomen Freiraum – nicht durch Kontrolle und Anweisungen.“ (Christoph Wiederkehr, Bundesminister)

Eine der größten Herausforderungen: bürokratische Belastung und Verwaltungsaufwand an Schulen

Infografik mit der Aussage, dass 43 % der Lehrer:innen eine Reduktion wünschen, dargestellt durch einen großen roten Kreis und ein Symbol mit Stiften (Quelle: Hajek, 2026).

Wege zur wirksamen Entfaltung von Autonomie

Wir stärken die Führungskompetenz von Schulleitungen und schaffen passende Unterstützungsangebote. Mit unserer Initiative „Freiraum Schule“ werden bürokratische Hürden abgebaut und entstehen neue Möglichkeiten für pädagogische Entfaltung und Innovation. Nationale Kompetenzerhebungen wie IKM PLUS und ein umfassendes Bildungsmonitoring sorgen für Qualitätsstandards und Daten, anhand derer Schulleitungen ihre Schule analysieren und passende Lösungen entwickeln können. Die Schulaufsicht begleitet auf dem Weg in eine neue Autonomie. Sie stellt Qualität sicher und ermöglicht Räume für Vernetzung und gegenseitiges Lernen.

Wo Autonomie schon funktioniert

Länder mit starker Schulautonomie, wie Estland oder Kanada, erzielen in PISA-Studien regelmäßig überdurchschnittliche Ergebnisse. Entscheidend sind dabei die richtige Balance zwischen schulischen Freiräumen und staatlichen Vorgaben sowie eine sozial gerechte Ressourcenverteilung. Besonders wirksam ist Autonomie laut OECD, wenn Schulen eigenständig über Unterricht, Personal und Budgets entscheiden können und im Sinne von „High autonomy, high accountability“ Verantwortung für ihre Ergebnisse übernehmen, im fairen Vergleich mit Schulen mit ähnlicher sozialer Zusammensetzung. Dabei werden sie durch klare Bildungsstandards und die Schulaufsicht unterstützt. So fördert Autonomie die Motivation, Unterrichtsqualität, Professionalität und potenziell bessere Lernergebnisse.

Die vier Säulen einer erfolgreichen autonomen Schule

1. Organisatorische Flexibilität

Schulen gestalten ihre Zeitstrukturen eigenständig, etwa mit flexibleren Lernphasen, gebündelten Fächern und Projekttagen. So erleben alle ein selbstbestimmtes Lernen.

2. Pädagogische Innovation und Individualisierung

Schulen setzen ihre eigenen pädagogischen Schwerpunkte. Das Lernen wird gemeinsam gestaltet. Begleitete Lernprozesse, Lerncoaching und laufendes Feedback bereichern die Lernerfahrung und fördern das Entwickeln von Kompetenzen.

3. Personelle Autonomie und multiprofessionelle Teams

Schulleiterinnen und Schulleiter sind Führungskräfte. Sie können ihr Personal selbst auswählen und sich wieder davon trennen. Es entstehen vielfältige Teams aus Lehrkräften, Psycholog:innen, Sozialarbeiter:innen und anderen Professionen, die das Ziel der ganzheitlichen Förderung optimal unterstützen.

4. Finanzielle Gestaltung und Ressourceneinsatz

Schulleitungen verfügen eigenständig über ein Gesamtbudget. Dieses wird auf Basis von transparenten und objektiven Kriterien erstellt. Ressourcen werden gerecht verteilt, Aufschläge wie der Chancenbonus werden nach sozialen Parametern berechnet.

Schule als Team

„Elternarbeit ist für mich gute Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus, damit Eltern erfahren und verstehen, was in der Schule läuft und wie pädagogisch gearbeitet wird.“ (Ada Sommerfeldt, Obfrau der Elternvereinigungen an den mittleren und höheren Schulen Salzburgs)

Wie gemeinsame Schulentwicklung alle stärker macht

Bildung ist ein Gemeinschaftsprojekt und ein Auftrag an Schule, Eltern und unsere gesamte Gesellschaft. Alle haben dabei eine klar definierte Aufgabe zu erfüllen. Das Ziel ist es immer, Schülerinnen und Schüler zu stärken.

Schule als kooperatives Team

Wir sehen die Schule als Team. In der kooperativen Schule arbeiten Lehrende, Lernende und Schulleitung partnerschaftlich zusammen. Schülerinnen, Schüler und Erziehungsberechtigte sind aktiv in die gemeinsame Gestaltung von Schule und Unterricht eingebunden. So erleben sich alle als selbstwirksam und demokratische Teilhabe wird zur Praxis.

Auch die Kooperation im Lehrendenteam und die Einbindung von weiteren Berufsgruppen wie Schulpsychologinnen und -psychologen, Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern in das engere Schulteam werden gestärkt. Teamarbeit, fächerübergreifende Unterrichtsentwicklung und neue Räume für gemeinsame Reflexion bringen Planung und Entwicklung auf eine neue Ebene. Die Schule als Team lebt von einem wertschätzenden, vertrauensvollen Umgang und dem Lernen voneinander.

Wahre Schulgemeinschaft und die Schule als lernende Organisation

Das Vertrauen in die neue Kultur des Miteinanders ist der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen Schule. Schülerinnen und Schüler können sich aktiv in die Unterrichtsentwicklung einbringen, an Diskussionen teilnehmen, Fragen stellen und analysieren. Das Wissen wird nicht passiv aufgenommen, sondern mit Begleitung selbstständig aufgebaut und mit Lebenssituationen verknüpft. Tiefere Lernprozesse, kritisches Denken und die Fähigkeit zur Problemlösung werden gefördert. Eigenverantwortung und Motivation wachsen, wenn die Lernwege selbst gestaltet und reflektiert werden können.

Miteinander reden und voneinander lernen

Wirksames Team-Teaching bietet die Chance auf gemeinsame Entwicklung und Reflexion, eine offene Feedbackkultur und gegenseitige Entlastung. Lernentwicklungen der Schüler/innen können gemeinsam besprochen werden, Unterrichtserfahrung und -materialien werden ausgetauscht. Unterrichtsbeobachtungen oder klassenübergreifendes Lernen wirken positiv auf die pädagogische Praxis. Schulen lernen voneinander und miteinander und profitieren von den Erfahrungen ihrer Peers – so entsteht auch über die Schule hinaus neues Potenzial für Teamarbeit und die Arbeit an gemeinsamen Visionen.

Wo es schon funktioniert

Wir wollen von den internationalen Erfahrungen lernen und auch in Österreich insbesondere Formen der vertiefenden professionellen Zusammenarbeit weiter stärken. Denn internationale Beispiele zeigen, dass kooperative Schulkulturen und das Agieren als Team die Einzelpersonen ebenso wie das Gesamtsystem stärken. OECD-Analysen zeigen unter anderem am Beispiel der Niederlande oder von Wales, dass gelebte Teamkultur und verbindliche Schulpartnerschaften wesentlich zur Qualitätsentwicklung von Schulen beitragen, mit einem positiveren Schulklima, höherer professioneller Zufriedenheit und wirksamerer Unterrichtsentwicklung einhergehen.

Elternbeteiligung

Die Beziehung zwischen Eltern und Schule neu definieren

Für uns ist Elternbeteiligung ein aktiver Beitrag zu einer erfolgreichen Schullaufbahn. Die Erfahrungen der Eltern und ihre Beziehung zu den Kindern sind wertvolle Ressourcen, die das Schulleben bereichern können. Eltern sollen deshalb gleichberechtigte Bildungspartner werden, die den Bildungsweg ihrer Kinder begleiten.

Mitsprache ist mehr als nur Sprechtage

Kinder-Eltern-Lehrer-Gespräche, Frühwarnsysteme, Klassenforen und Elternsprechtage: Es gibt schon heute viele Formate, an denen Eltern mitwirken sollen oder müssen. Oft aber werden diese Treffen als Pflichtveranstaltungen erlebt: Informationen werden abgeholt oder Mitteilungen zur Kenntnis genommen.

Eine erwachsene Person sitzt mit einem Kind an einem Tisch, beide schauen auf Schulmaterialien und einen Laptop, ergänzt durch eine Bleistiftspäne als visuelles Element.

Eltern haben viel zu bieten

Damit Bildung gelingen kann, braucht es die Zusammenarbeit von Schule und Familie. Jede Familie ist unterschiedlich, jede bringt individuelles Know-how und eigene Ressourcen mit. Mehr Elternbeteiligung kann vieles bewirken:

  • Eltern und Lehrende übernehmen gemeinsam Verantwortung für die Entwicklung der Kinder und unterstützen einander.
  • Gegenseitige Wertschätzung und offene Kommunikation zwischen Lehrpersonen und Erziehungsberechtigten sorgen für mehr Verständnis auf allen Seiten.
  • Wenn Eltern und Lehrkräfte an einem Strang ziehen, steigert das den Lernerfolg.
  • Beteiligung, Mitsprache und Mitgestaltung der Eltern bei schulischen Themen bringen neue Sichtweisen und Möglichkeiten der Gestaltung.

Damit diese Bildungspartnerschaft noch besser gelingt, sind Veränderungen notwendig:

Elternarbeit als Teil der pädagogischen Ausbildung

Lehrpersonen sollen schon in der Ausbildung lernen, wie erfolgreiche Kommunikation und Zusammenarbeit mit Eltern gelingen kann. Elternarbeit muss fixer Bestandteil der pädagogischen Professionalität werden – und zwar so, dass Dialog auf Augenhöhe und gegenseitige Wertschätzung selbstverständlich sind.

Unterstützung für die Schulleitung

Durch die Einführung eines mittleren Managements als Unterstützungsteam der Schulleitung schaffen wir zusätzliche Ressourcen für die Bildungsarbeit. Das Team wird gezielt in die Zusammenarbeit mit den Eltern eingebunden, um eine aktive und partnerschaftliche Elternbeteiligung zu fördern.

Bildungspass für Transparenz und Hilfe

Ein Bildungspass soll Leistungen und Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler dokumentieren, weitere Bildungswege aufzeigen und den Eltern einen Überblick über die Entwicklung und Möglichkeiten ihres Kindes bieten. Außerdem enthält der Bildungspass individualisierte Informationen, wo es Unterstützung und Beratung gibt. Auch die Möglichkeiten, wie sich Eltern in die Schulgemeinschaft einbringen können, finden sich dort. So wird Eltern die aktive Teilhabe erleichtert und weniger eingebundene Eltern können angesprochen und einbezogen werden.

Konsequenzen bei Verweigerung von Kooperation

Die Mitwirkung der Eltern ist gerade auch in pädagogisch herausfordernden Situationen unverzichtbar, etwa wenn Schülerinnen oder Schüler durch ihr Verhalten sich selbst oder andere gefährden. Wenn Eltern in solchen Situationen die Zusammenarbeit mit der Schule verweigern, tritt ein mehrstufiger Sanktionsmechanismus ein, der in letzter Konsequenz auch zu Verwaltungsstrafen führen kann. Unterstützung und Förderung gehen Hand in Hand mit der Durchsetzung klarer Regeln. Darüber hinaus werden wenig involvierte Eltern von der Schule gezielt angesprochen und aktiviert.

Unsere Vision: Bildungspartnerschaft mit den Familien

Wir wollen eine Schule, in der Eltern und Lehrkräfte gemeinsam für den Bildungserfolg der Kinder arbeiten. Bildungspartnerschaft lebt von einer aktiven, selbstverständlichen Elternbeteiligung als tragende Säule eines zukunftsfitten Schulsystems.

„In der Schule der Zukunft, in der Kinder wachsen können, muss es einen Spielraum für Mitbestimmung geben.“ (Mag. Michael H. Weber, Schulleiter und Mitglied des Schulleitungsbeirats)

Infografik zum Vergleich der Wahrnehmung der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule: Eltern bewerten diese deutlich positiver als Lehrer:innen, dargestellt durch zwei gestapelte Balkendiagramme mit Anteilen von „sehr gut“ bis „keine Meinung“ (Quelle: Hajek, 2026).
Ein Kind schreibt konzentriert in ein Heft am Tisch, mit dekorativen Bleistiftspänen im Bild.

Vernetzung und Kooperation

„Neben dem Allgemeinwissen sollte die Schule auch mehr praktisches Wissen und soziale Kompetenzen vermitteln.“ (Katalin Brumbauer, Obfrau Elternverein Bundesgymnasium Nonntal)

Mit Gemeinden, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in Kontakt

Schulen sollen mit ihrer Umgebung verbunden sein – mit Gemeinden, Unternehmen, Vereinen und Initiativen. Alle sollen Erfahrungen, Ideen und Angebote ins Bildungsgeschehen einbringen. Denn die Herausforderungen der Zukunft brauchen ein Bildungssystem, das sich öffnet, auf Zusammenarbeit baut und in dem alle bereit sind, voneinander zu lernen.

Durch das Lernen soll der direkte Bezug zum echten Leben hergestellt werden. Schülerinnen und Schüler sollen sehen und spüren, wie positiv sich Kreativität, Engagement und Zusammenarbeit in der Gesellschaft auswirken. Das gelingt, wenn Schulen und ihre Partner von außerhalb gemeinsam gestalten. Dieser Austausch soll Kinder dazu ermutigen, sich auszuprobieren und einzubringen.

Infografik „Elternwünsche ans Bildungssystem“ mit Ranking wichtiger Themen: Selbstmanagement/Lernen lernen (2,5), Finanzbildung (3,7), Demokratie (3,9), Berufsorientierung (4,1) sowie soziale, mediale und digitale Kompetenzen (je 4,5) (Quelle: Triple M Matzka, 2024).

Basis plus frische Ergänzungen

Das staatliche Bildungssystem bleibt für uns die starke Basis. In Zukunft muss es flexibler, offener und kooperativer sein. Wir setzen darauf, dass private Initiativen, NGOs und Stiftungen nicht als Konkurrenz, sondern als wertvolle Ergänzung wirken. Wo unterschiedliche Sichtweisen zusammenkommen, kann Neues entstehen, von dem alle profitieren.

Das Neue suchen

Schulen sollen Innovationen nicht nur zulassen, sondern aktiv suchen. Dafür braucht es den Mut, Bewährtes zu hinterfragen, neue Wege zu gehen und Fehler als Lernchancen zu begreifen. Unser Ziel ist eine Bildungslandschaft, in der auch Schulen voneinander lernen, Wissen und Erfahrungen teilen und gemeinsam Ressourcen nutzen, die schon da sind.

Neugierig durchs Leben

So wird die Schule zu einem offenen, lebendigen Ort, der die Kinder direkt auf das Leben vorbereitet – mit praktischem Know-how, sozialer Kompetenz und einem Draht zur Welt. Mit dieser Haltung schaffen wir Raum für junge Menschen, eigenständig, neugierig und selbstbewusst an die Herausforderungen der Zukunft heranzugehen. Denn Lernen begleitet uns das ganze Leben lang.

Infografik zu Betreuungsangeboten: 65 % der Eltern finden Nachmittagsbetreuung wichtig, 56 % befürworten die verschränkte Ganztagsschule (Quelle: Hajek, 2026).

Ganztägige Bildungsangebote

Mehr Zeit miteinander, mehr Zeit für Bildung

Mehrere Hände von Kindern und Erwachsenen treffen sich zu einem High-Five, im Hintergrund eine unscharfe Person, ergänzt durch Bleistiftspäne als Gestaltungselement.

Ganztagsangebote sind ein wichtiger Schritt zu mehr Chancengerechtigkeit, einem stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt und einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mit mehr Zeit fürs Miteinander schaffen wir nicht nur bessere Bedingungen für den Bildungserfolg aller Kinder, sondern auch ein starkes Fundament für unsere Gesellschaft von morgen. Das ist unser Verständnis einer modernen, zukunftsorientierten Bildungspolitik.

Wenn ein ganzer Tag zur Verfügung steht, eröffnen sich für Schulen neue Möglichkeiten. Es gibt mehr Zeit für das Miteinander, individuelle Förderung und gemeinschaftliche Erfahrungen im Alltag.

Mit Ganztagsschulen entwickeln wir ein Umfeld, in dem Lernen, Leben und persönliches Wachsen verbunden werden. Unterschiedliche Talente, Lernrhythmen und Interessen können gezielter wahrgenommen und gefördert werden – dank ausreichend Zeit und Flexibilität. Den Kindern steht ein kompetentes Team aus Lehr- und Betreuungspersonen sowie externen Partnern zur Seite, das gezielt auf Bedürfnisse eingehen, gemeinsam begleiten und Erfolge miteinander feiern kann.

Mehr Chancengerechtigkeit für alle Kinder

Besonders profitieren davon Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien. Ganztagsschulen bieten mehr Unterstützung, fördern Chancengerechtigkeit und helfen dabei, deren Bildungsnachteile auszugleichen. Hier finden Kinder zusätzliche Lernförderung und soziale Angebote, die ihnen zu Hause oft fehlen. Bildung wird gerechter, weil jedes Kind die Möglichkeit hat, seine Fähigkeiten zu entfalten.

Ganztagsangebote eröffnen auch Raum für ganzheitliche Entwicklung. Angebote wie die Tägliche Bewegungseinheit sowie vielfältige kreative, kulturelle und soziale Aktivitäten – etwa Musik, Theater, Kunst oder gemeinsames Engagement für soziale Projekte – machen den Schulalltag bunter und lebendiger. Die Kooperation mit Partnern aus Kultur, Sport, Jugendarbeit, Wirtschaft und Zivilgesellschaft macht die Angebote vielfältiger und bringt neue Impulse in den Schulalltag. Kinder lernen wichtige Fähigkeiten für das Leben und stärken ihre Persönlichkeit im Austausch mit anderen.

Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Ganztagsschulen erleichtern auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Berufstätige Eltern und Alleinerziehende profitieren von der Betreuung am Nachmittag.

Ganztägiges Schulwesen ausbauen, Wahlfreiheit erhalten

Für viele Familien bieten ganztägige Schulformen klare Vorteile, daher fördern wir den Ausbau der Ganztägigkeit. Dabei ist es uns jedoch wichtig, die Wahlfreiheit zwischen Halb- und Ganztagsschule zu erhalten, um auf unterschiedliche Bedürfnisse der Kinder, atypische Arbeitszeiten von Eltern und vielfältige Familienkonstellationen Rücksicht zu nehmen.

Ein Kind liegt mit einem aufgeschlagenen Buch auf dem Kopf auf dem Tisch, umgeben von dekorativen Bleistiftspänen.

Interessengeleitetes Lernen

„Ich finde Spaß am Lernen wichtig und hätte gerne, dass die Schule das mitgibt.“ (Katalin Brumbauer, Obfrau Elternverein Bundesgymnasium Nonntal)

Freiräume für selbstbestimmtes Lernen

Unsere Vision für Österreich ist eine Schule, die von Anfang an Freiräume für die Interessen jedes Kindes schafft. Dazu braucht es Lehrpläne und Feedbacksysteme, die zwischen Pflicht und Kür unterscheiden. Lesen, Schreiben und Rechnen gehören zum Pflichtprogramm, das auch standardisiert geprüft und gemessen werden soll. Fast alles andere darf und soll jedoch in einen großen Pool an Kür-Inhalten übergehen, der so vielfältig ist, dass er jedem Kind Ausgangspunkte für selbstgesteuertes, interessengeleitetes Lernen bietet.

Lernen lernen aus eigenem Antrieb

Kinder aller Altersstufen können selbstgesteuert lernen. Die Erfolgsgeschichten reichen vom „Independent Learning Day“ über COOL (Kooperatives Offenes Lernen) bis zum projektorientierten „Frei-Day”-Modell.

Wenn wir also das neugierige, forschende Lernen vom Kindergarten über die Volksschule in die weiteren Bildungsstufen bringen, entsteht eine wichtige Fähigkeit: sich selbst Wissen und Können anzueignen. Schülerinnen und Schüler aus Estland beweisen, dass es funktioniert. Sie sind laut PISA-Studie Bildungseuropameister. Das wurden sie nicht durch „Training to the test“, denn Estland stellt es seinen Lehrkräften bis zur 9. Schulstufe frei, ob und wie sie die Lernleistung messen und beurteilen. Viele tun das jahrelang gar nicht, denn Kinder kommen neugierig und wissbegierig in die Schule und sollen zuerst das selbstbestimmte, intrinsisch motivierte Lernen weiterentwickeln, bevor sie für eine Beurteilung lernen.

Tests in den Grundkompetenzen, Individualität drumherum

Entscheidungen zu treffen, dafür einzustehen, sich zu organisieren und etwas Individuelles zu erarbeiten, soll in jeder Schulstufe für jedes Kind zum Lernalltag gehören. Leistung hat viele Aspekte. In den ersten Schuljahren bis zur 3. Klasse Volksschule soll es daher den Schulen freistehen, mit oder ohne Ziffernnoten zu arbeiten. Ob sie Kinder anhand einer 5-stufigen Notenskala miteinander vergleichen wollen oder bessere Wege finden, jedes Kind in seinem Lernfortschritt zu bestärken, soll für die ersten drei Schuljahre in der pädagogischen Autonomie der Schule liegen.

Gegen Ende der 3. Klassen starten mit iKMPLUS – der individuellen Kompetenzmessung – standardisierte Tests für die Grundkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen. Und am Übertritt von der Volksschule in die Sekundarstufe bleiben Noten ein relevantes Kriterium.

Künstliche Intelligenz

„Zu gelingender Pädagogik in Zeiten der künstlichen Intelligenz gehört Lernen ohne KI ebenso wie Lernen über KI und Lernen mit KI.“ (Christoph Wiederkehr, Bundesminister)

Lernen in einer neuen Ära

Die KI ist im Schulalltag längst angekommen. Schülerinnen und Schüler nutzen Chatbots für Hausaufgaben, Lehrkräfte erproben adaptive Lernplattformen und in vielen Klassenzimmern wird bereits über Deep Fakes und Datenschutz diskutiert.

Mit der Integration von KI in den Unterricht werden wir diesem Wandel Struktur und Raum geben. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, KI anzuwenden, sie zu verstehen und kritisch zu hinterfragen. So schaffen wir Zukunftskompetenz für mündige Menschen.

Individualisiertes Lernen und Lehren für alle

Wir wollen, dass alle jungen Menschen das Schulsystem gestärkt und mit jenen Kompetenzen verlassen, die ihnen Türen öffnen – zu kritischem Denken, kreativer Problemlösung und selbstbestimmter Technologienutzung. KI ermöglicht Lernpfade, die auf individuelle Stärken und Schwächen eingehen.

Dabei geht es nicht darum, KI als Abkürzung zu verstehen, sondern als Werkzeug zur Produktivitäts- und Leistungssteigerung. Schülerinnen und Schüler lernen, KI gezielt einzusetzen, um bessere Ergebnisse zu erzielen und effizienter zu arbeiten. Lehrkräfte nutzen KI, um administrative Aufgaben zu reduzieren und mehr Zeit für individuelle Förderung zu gewinnen.

Der Weg: Verstehen. Anwenden. Neu prüfen.

Wie die UNESCO in ihrem Bericht „AI and the future of education“ (2025) fordert, sollte KI-Bildung nicht auf technische Fähigkeiten reduziert werden. Vielmehr geht es darum, kritische Mündigkeit zu stärken. Etwa durch projektbasiertes Lernen, bei dem Schülerinnen und Schüler selbst KI-Anwendungen entwickeln und deren gesellschaftliche Auswirkungen diskutieren. Wir wollen ein Modell, in dem beides geht: KI soll Unterrichtsthema und Lernwerkzeug werden.

Die Lehrpläne werden schon überarbeitet: Schülerinnen und Schüler sollen in Informatik und auch in anderen Fächern lernen, wie Algorithmen funktionieren, warum KI manchmal diskriminiert und wie man Deepfakes erkennt. Weitere Kompetenzen, die vermittelt werden, sind, präzise Fragen an KI-Systeme zu stellen, Quellen kritisch zu prüfen und digitale Tools verantwortungsvoll einzusetzen.

KI als Sparringpartner für Lehrkräfte

Die KI soll auch als Sparringpartner für Lehrkräfte bereitstehen: bei der Unterrichtsvorbereitung, der Erstellung von Materialien und der individuellen Förderung.

Klassische Wissensabfragen müssen in Zeiten künstlicher Intelligenz hinterfragt werden. Daher sollen neue Bewertungsformen traditionelle Prüfungen ergänzen. Prozess-Portfolios dokumentieren dabei den gesamten Lernweg und fördern Reflexion. Schülerinnen und Schüler halten fest, wie sie zu einer Lösung gekommen sind, welche Herausforderungen sie bewältigt und welche Erkenntnisse sie dabei gewonnen haben. Transparente Regeln klären, wann KI erlaubt ist – und wo eigenständiges Denken gefordert wird.

Vernetzung und Bewusstseinsbildung

Innovation kann nicht zentral verordnet werden – sie muss an den Schulen selbst entstehen und geteilt werden. Gutes Beispiel ist Estland: Dort wird die Vernetzung von Innovationstreibern unter den Lehrkräften gefördert. Erfahrungen werden ausgetauscht und Unterrichtskonzepte gemeinsam entwickelt. Materialien der pädagogischen Hochschulen dienen als Unterstützung.

Begreifen wir die KI als Chance, aber bleiben wir kritisch dabei. Das ist der Leitgedanke, den wir allen Schülerinnen und Schülern mitgeben müssen.

Eine Lehrerin mit Brille erklärt vor einer digitalen Tafel mit Netzwerk-Grafik, während sie mit einem Stift zeigt, ergänzt durch dekorative Bleistiftspäne.

Was wir lernen

Dieses Kapitel bündelt die inhaltliche Reformagenda: von neuen Leitlinien für Lehrpläne über stärkere Individualisierung bis zu aktualisierten Curricula in Allgemein- und Berufsbildung.

Christoph Wiederkehr spricht bei einer Veranstaltung vor einer kleinen Gruppe von Zuhörer:innen und gestikuliert mit einem Mikrofon in der Hand.Ein Jugendlicher hält ein Mikrofon und stellt eine Frage oder macht einen Beitrag während einer Veranstaltung, während ein Mann im Anzug zuhört.
Mehrere Zuhörer:innen sitzen nebeneinander und verfolgen aufmerksam eine Präsentation oder Diskussion.
Bürgerinnen- und Bürgerforen zum Plan Zukunft(Fotocredit: BKA 2026)

Neuer Bildungsrahmenplan für die Elementarpädagogik

Die Bildungslaufbahn mit einer starken Basis starten

Der Bildungsrahmenplan ist das zentrale Grundlagendokument für die pädagogische Arbeit in Kindergärten und anderen Einrichtungen der Elementarpädagogik. Er gilt in allen Bundesländern und definiert die Bildungsziele, Themenbereiche und Kompetenzfelder der Elementarpädagogik. Denn Kinderbetreuung geht Hand in Hand mit Kinderbildung, als starke Basis für den Bildungsweg des Kindes.

Kind, Eltern, Gesellschaft

17 Jahre nach seiner Einführung erneuern wir gemeinsam mit den Bundesländern den Bildungsrahmenplan. Für die Neugestaltung verbinden wir eine breite Einbindung der Praxis mit wissenschaftlicher Fundierung. Unter der Leitung des Charlotte Bühler Instituts für praxisorientierte Kleinkindforschung stehen dabei vier Themen besonders im Fokus:

  • Kinderrechte und Kinderschutzkonzepte
  • Bildungspartnerschaft mit den Eltern
  • Kindgerechte Werte- und Demokratiebildung
  • Stärkung der Basiskompetenzen für den Übergang in die Schule

Ein kleines Kind stapelt konzentriert rosafarbene Bauklötze, darüber eine dekorative Bleistiftspäne.

Kindergarten und Schule

Damit der Übergang vom Kindergarten in die Schule gelingt, sind Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen Elementarpädagoginnen und -pädagogen und Lehrerinnen und Lehrern besonders wichtig. Deshalb werden Sprachstandserhebungen harmonisiert und der Informationsfluss verbessert. Die Elementarpädagogik verstehen wir dabei als eigenständigen professionellen Bildungsbereich mit eigener Haltung, Methodik und Identität. Das bringen wir auch mit der Kampagne „Elementar wichtig“ zum Ausdruck, mit der das Bildungsministerium erstmals eine eigenständige Kommunikationslinie für die Elementarpädagogik etabliert. Die Kampagne bewirbt das Berufsbild ebenso wie die schulischen und akademischen Ausbildungswege in der Elementarpädagogik, etwa das neu geschaffene Bachelorstudium.

Mehr Qualität und bundesweite Standards

Über den Bildungsrahmenplan und die pädagogische Ausbildung hinaus ist es uns wichtig, österreichweite Qualitätsstandards für die Elementarpädagogik zu schaffen. Gruppengrößen, Arbeitsbedingungen, Assistenzpersonal und vieles mehr liegen in Österreich im Verantwortungsbereich der Bundesländer. Unser Ziel ist es, in Verhandlungen mit den Ländern eine gesetzliche oder vertragliche Regelung bundesweiter Qualitätsstandards zu erzielen, die in einem Stufenplan Schritt für Schritt angehoben werden.

Vielfältige Kinderbildung und -betreuung:
Neben Elementarpädagoginnen und Elementarpädagogen leisten Assistenzkräfte, Betreuerinnen und Betreuer, Tagesmütter und Tagesväter, Hortpädagoginnen und Hortpädagogen, Früherzieherinnen und Früherzieher und weitere Berufsgruppen einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung und Entfaltung der Kinder.

Visualisierung zu Elementarpädagogik-Standards Visualisierung zu Elementarpädagogik-Standards

Motive der Kampagne „Elementar wichtig“

Vision Volksschule

„Der Forschergeist der Kinder muss stärker geweckt werden, wir brauchen mutige und kreative Ideenentwickler. Mehr Mitbestimmung, damit die Kinder sehen, dass sie selbst in der Lage sind, etwas zu bewirken.“ (Elternmeinung aus der Umfrage Hajek, 2026)

Alle Talente willkommen heißen

Wir wollen, dass eine Schule von Beginn an alle Kinder willkommen heißt. Jedes Kind bringt unterschiedliche Stärken, Talente und Entwicklungsstände mit – die Aufgabe der Schule ist es, daran anzuknüpfen und Lernwege zu eröffnen. Das bedeutet auch, Ressourcen inklusiv, wertschätzend und wirksam einzusetzen. Die Vorschulklassen sollen daher durch 1. Klassen mit Zweitlehrperson ersetzt werden, wobei wahlweise ein weiteres Kindergartenjahr oder der Einstieg in die 1. Klasse mit zusätzlicher Förderung durch die Zweitlehrperson möglich gemacht werden soll.

Ein besserer Übergang

Der Übergang vom Kindergarten in die Volksschule wird als gemeinsamer pädagogischer Raum gestaltet. Die Grundlage ist ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr. Dieses stärkt u.a. die Sprachentwicklung, das Zahlenverständnis, die Geschicklichkeit und viele soziale Kompetenzen. So schaffen wir Chancengerechtigkeit, unabhängig vom familiären Hintergrund. Wir wollen einen Fokus auf frühe Sprachförderung, Beziehung, Orientierung und Freude am Lernen. Pädagogische Einschätzungen sollen vorgegebene Tests ersetzen. Orientierungsklassen und/oder flexible Einstiegsmodule machen Kindern mit besonderem Förderbedarf oder Zuwanderungserfahrung einen guten Start in das Schulsystem einfacher.

Wir sehen eine enge Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Volksschule. Durch multiprofessionelle Teams können Kontinuität und Verlässlichkeit entstehen. Das macht den Übergang für Kinder und für Eltern leichter.

Lernfreude und Bezug zur Lebenswelt

Eine moderne Volksschule muss ein Ort sein, an dem Kinder gerne lernen. Unterricht knüpft an die Lebenswelt der Kinder an, greift ihre Fragen auf und macht Lernen zum Erlebnis. Wir wollen, dass Neugier, Kreativität und das Spüren von Selbstwirksamkeit im Mittelpunkt stehen. Dank dieser pädagogischen Freiheit werden neue Lernsettings möglich. Teamteaching und innovative Unterrichtsformen runden das Erlebnis Volksschule ab. Einheitliche Ziele sollen Orientierung geben und flexible Wege das Lernen wirksam machen.

Sprachförderung als Querschnittsaufgabe

Sprachförderung muss ein durchgängiges Prinzip jedes Bildungsweges werden – vom Kindergarten bis zum Ende der Volksschule. Deutschförderung erfolgt – wo möglich – integriert im Unterricht, nicht isoliert. Gleichzeitig wird Mehrsprachigkeit als Ressource wertgeschätzt und aktiv einbezogen. Englisch als kürzlich neu eingeführter Pflichtgegenstand eröffnet neue Horizonte.

Entrepreneurship Education von Anfang an

Kinder werden früh ermutigt, Verantwortung zu übernehmen, Ideen zu entwickeln und Probleme zu lösen. Entrepreneurship Education in der Volksschule bedeutet Kreativität, Teamarbeit, Mut und Gestaltungswille – Kompetenzen, die Kinder ein Leben lang nutzen können.

Lernen in der 6-jährigen Volksschule

„Die PISA-Ergebnisse zeigen, dass keines der Länder, die eine starke Aufteilung und Gruppierung der Schülerinnen und Schüler entsprechend ihren Fähigkeiten vornehmen (…) zu den leistungsstärksten Bildungssystemen (…) zählt. Am besten schneiden die Bildungssysteme ab, die allen Schülerinnen und Schülern gleiche Lernmöglichkeiten bieten.“ (Andreas Schleicher, OECD)

Warum Veränderung notwendig ist

Österreichs Schulsystem steht seit vielen Jahren in der Kritik, Kinder bereits nach 4 Jahren Volksschule in unterschiedliche Bildungswege zu trennen und damit eines der selektivsten Schulsysteme Europas zu sein. Die Folgen sind weitreichend, denn in Österreich zeigt sich nach wie vor ein besonders starker Einfluss von sozialer Herkunft auf den Bildungserfolg. Die frühe Trennung verstärkt Bildungsungleichheit und produziert am Übergang zwischen Volksschule und Gymnasium bzw. Mittelschule einen Ausnahmezustand für Eltern, Kinder und Lehrpersonen.

Entwicklungspsychologisch wissen wir, dass das Alter von 10 Jahren eine sehr sensible Phase ist, in der sich Potentiale noch stark verändern. Seit Langem empfehlen daher EU und OECD mehr gemeinsames Lernen und eine spätere Trennung der Bildungswege.

Spätere Trennung für bessere Bildungschancen

In der Vision einer verlängerten Volksschule schaffen wir für alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, länger gemeinsam im Klassenverband zu lernen. Individuelle Förderung und innere Differenzierung ermöglichen es, auf die Begabungen, Lerntempi und Bedürfnisse der einzelnen Schülerinnen und Schüler einzugehen. Bildungschancen werden entkoppelt von der sozialen Herkunft. Der hohe Leistungsanspruch bleibt dabei aber aufrecht und hebt das Bildungsniveau all unserer Schülerinnen und Schüler. Im Mittelpunkt stehen neben dem fachlichen Kompetenzerwerb auch das Miteinander, die Toleranz, Offenheit und gegenseitige Wertschätzung.

Wie könnte eine 6-jährige Volksschule aussehen?

In der sechsjährigen Volksschule erfolgt Leistungsdifferenzierung nicht durch frühe Trennung in unterschiedliche Schultypen, sondern innerhalb einer Schule – durch starke individuelle Förderung und Binnendifferenzierung. Unterricht findet in heterogenen Gruppen oder in temporären Leistungsgruppen mit hoher Durchlässigkeit statt. Lernniveaus sollen nicht „gleich gemacht“ werden, sondern individualisierter und zielgerichteter gefördert werden. Durch die Etablierung erster Pilotstandorte, die sich auf freiwilliger Basis als verlängerte Volksschule weiterentwickeln möchten, soll gezeigt werden, wie dies in der Praxis gelingt. Eine wissenschaftliche Begleitung dokumentiert Erfahrungen, Wirkungen und Ergebnisse und liefert so eine Evidenzbasis für künftige Entscheidungen zum weiteren Ausbau.

Wie gut gelingt es in anderen Ländern?

Die 6-jährige Volksschule baut auf internationaler Evidenz und Good Practice auf. Länder mit später Selektion, wie etwa Estland oder Japan, erreichen höhere Durchschnittsleistungen bei gleichzeitig moderaterer Abhängigkeit der Leistung von der sozialen Herkunft. Länder mit geringerer Bildungsungleichheit zeigen in PISA, dass leistungsstarke Schülerinnen und Schüler durch längeres gemeinsames Lernen nicht schlechter, sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler aber deutlich besser abschneiden. Dies liefert bedeutsame Hinweise darauf, dass gemeinsames Lernen das Durchschnittsleistungsniveau anhebt, Leistungsunterschiede nach sozialer Herkunft jedoch verringert.

Vergleich von Bildungswegen mit Darstellung einer 6-jährigen Volksschule versus 4-jährige Volksschule und anschließender AHS/Mittelschule anhand von Altersstufen. Zwei Kinder und eine erwachsene Person betrachten gemeinsam einen Globus auf einem Tisch, ergänzt durch große Bleistiftspäne als Gestaltungselement.

Lesekompetenz

Startklar für die Superkraft Lesen

Die Lesekompetenz in Österreich steht unter erheblichem Druck: Rund 1,7 Millionen Menschen scheitern an Leseanforderungen, die eigentlich auf Volksschulniveau bewältigt werden sollten. Die PIAAC-Erhebung 2022/23 ergab, dass fast ein Drittel der 16- bis 65-Jährigen niedrige Lesekompetenz hat – nahezu eine Verdoppelung seit 2011.

Gleichzeitig wächst der Einfluss sozialer Herkunft: Der Bildungsstand der Eltern wirkt heute deutlich stärker auf die Lesekompetenz als noch vor einem Jahrzehnt.

Schlüsselkompetenz für Bildungserfolg

Sinnerfassendes Lesen ist eine wichtige Grundlage für den Bildungserfolg, berufliche Perspektiven sowie gesellschaftliche und demokratische Teilhabe. Internationale und nationale Evidenz zeigt zudem: Gute Lesekompetenz verbessert langfristig Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Lebenschancen. In Österreich setzen wir deshalb auf regelmäßiges, verbindliches Lesen im Schulalltag und systematische Leseförderung. Etwa in Form fest eingeplanter täglicher Lesezeiten wie dem sogenannten „Leseband“.

„Wir glauben, dass die Lesekompetenz auch abgenommen hat, weil sie im familiären Umfeld immer weniger gefördert wird. Wir haben nun in den Volksschulen die Lesepatenschaft, wo ältere Menschen hinkommen und den Kindern vorlesen. Das ist vor allem für die wichtig, die das zu Hause nicht haben.“ (Marcus Dekan, Präsident des Bundeselternverbands Mittlerer und Höherer Schulen)

Lesen als gemeinsame Aufgabe

Alle Kinder und Jugendlichen sollen flüssig und sinnerfassend lesen können, unabhängig von Herkunft oder Familiensprache. Lesen wird deshalb nicht nur im Deutschunterricht gefördert, sondern als fächerübergreifende Aufgabe in der gesamten Schule verstanden. Durch kontinuierliche Förderung über die gesamte Bildungslaufbahn wird Lesen zur Grundlage für selbstständiges Lernen und Chancengerechtigkeit.

Lesepatinnen und Lesepaten

Lesen wird durch Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien in allen Fächern gestärkt. Ergänzend bauen Lesepatenschaften individuelle Förderung auf und vernetzen Schulen mit außerschulischen Partnern. Lesepatinnen und -paten erhöhen als ehrenamtliche Begleitpersonen die Lesemotivation, besonders bei sprachlich und sozial benachteiligten Schülerinnen und Schülern. Damit alle Maßnahmen nachhaltig wirken, ist auch das familiäre Umfeld wichtig: Durch gute Information, enge Zusammenarbeit mit der Schule und die Ermutigung zu regelmäßigen Leseaktivitäten im Alltag stärken Eltern den schulischen Erfolg ihrer Kinder.

Quellen: Statistik Austria (2024): PIAAC 2022/23; BMBWF: Gesamtstrategie Leseförderung; Gailberger, S./Universität Kiel: Konzept Leseband; Hamburger Schulbehörde: Evaluationsergebnisse Leseband

Neue Leitlinien für Lehrpläne

Kompetenzen für ein herausforderndes Zeitalter

Künstliche Intelligenz, Klimawandel, globale Unsicherheiten und ein Arbeitsmarkt, der sich rasant verändert: Es sind viele neue Herausforderungen, denen sich junge Menschen stellen müssen. Bildungssysteme müssen darauf ausgelegt sein – mit stärkerer Kompetenzorientierung und ganzheitlichen Ansätzen.

Gut vorbereitet auf digitale Chancen und Risiken

Umfassende digitale Bildung geht über reine Anwendung hinaus. Schülerinnen und Schüler sollen es schaffen, Informationen kritisch zu bewerten, Medien verantwortungsvoll zu nutzen und digitale Technologien reflektiert einzusetzen. Dazu gehört auch ein grundlegendes Verständnis von künstlicher Intelligenz: wie Algorithmen funktionieren, welche Chancen und Risiken bestehen und welche ethischen Fragen sich daraus ergeben. Ziel ist es, immer die digitale Mündigkeit zu ermöglichen und den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen und KI-basierten Anwendungen zu vermitteln.

„Soziale Kompetenzen und kritisches Denken wurden bei der Umfrage des Bildungsministeriums von Eltern, Lehrenden und Schüler:innen als wichtigste Fähigkeiten genannt, die in der Schule vermittelt werden sollen.“* (Quelle: Hajek, 2026)

Gesundheit und Resilienz als Grundlage

Körperliche und psychische Gesundheit sind Voraussetzung für erfolgreiches Lernen. Auch in den Schulen soll ein Beitrag dazu geleistet werden: durch tägliche Bewegung, aktive Pausen, Gesundheitsbildung sowie Programme zur Resilienzförderung und zum sozialen Lernen. Schülerinnen und Schüler entwickeln auf diese Weise ein gutes Verständnis für Zusammenhänge zwischen Bewegung, Ernährung, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Eine gute Basis für ein selbstbestimmtes, gesundes Leben.

Handlungsfähigkeit und Selbststeuerung

Die Handlungskompetenz junger Menschen zu stärken, schafft wichtige Grundlagen für eine offene und reflektierte Gesellschaft. Sie sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen, Ziele zu setzen, Entscheidungen zu treffen und ihr Handeln kritisch zu reflektieren. Schulen brauchen dafür Lernsettings, die Selbstständigkeit, Mitverantwortung und Reflexionsfähigkeit systematisch fördern.

Ein ganzheitliches Bildungsverständnis

Zukunftsorientierte Bildung verbindet Wissen, Fähigkeiten, Einstellungen und Werte. Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen sind dabei das zentrale Fundament. In allen Fächern sollen Kompetenzen wie kritisches Denken, Problemlösen, Kreativität, Kommunikation, Zusammenarbeit sowie digitale und informationelle Kompetenz vermittelt werden. Diese Kompetenzen erweitern und vertiefen das Fachwissen und machen es noch wertvoller.

Gemeinsame Leitlinien für neue Lehrpläne: Flexibilität und Agilität

Neue Lehrpläne müssen flexibel und agil sein. Sie sollen an veränderte gesellschaftliche Anforderungen anpassbar sein. Schulen brauchen Freiräume, um auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren und lokale Schwerpunkte zu setzen. Gleichzeitig stellen verbindliche Kompetenzziele sicher, dass alle grundlegenden und zukunftsrelevanten Kompetenzen erworben werden. Dazu gehört auch der Mut, Inhalte bewusst zu reduzieren und Überfrachtung zu vermeiden.

Quellen: OECD (2019): Future of Education and Skills 2030 – Learning Compass; OECD (2018): Social and Emotional Skills; Statistik Austria: Gesundheitsbefragung; World Economic Forum (2023): Future of Jobs Report.

Eine Lehrerin steht vor einer kleinen Gruppe und erklärt etwas, während die Zuhörenden mit Tablets und Unterlagen folgen, dekoriert mit Bleistiftspänen.

Lerninhalte individualisieren

Mit Freiraum Stärken stärker machen

Alle lernen zur gleichen Zeit das Gleiche – obwohl jedes Kind anders ist. Das passt auf vielen Ebenen nicht zu den Bedürfnissen von Kindern und zu den Anforderungen unserer Wissensgesellschaft. In einem modernen Bildungssystem wird die individuelle Vielfalt anerkannt und gestärkt. So legen wir Potenziale frei. Schülerinnen und Schüler lernen nicht mehr im starren Gleichschritt, sondern entlang ihrer Interessen und Stärken. Die Einzigartigkeit wird bei allen gesehen und wertgeschätzt. Erlebte Selbstwirksamkeit sorgt für mehr Motivation. Ziel ist, dass jedes Kind sein persönliches Potenzial erkennt und seine Stärken stärkt. Der ideale Rahmen dafür ist eine modulare Stundentafel: Ein Pflichtbereich sichert die grundlegenden Bildungsziele. Zusätzlich kann jede Schule autonome Module gestalten und diesen Freiraum für individuelle Lernziele nutzen. So entsteht ein verbindliches Fundament, das Flexibilität für Vertiefung, Förderung und persönliche Schwerpunkte lässt.

Modulare Lernstrukturen für flexible Wege

Modulare Lernwege ermöglichen es, sich in einzelnen Fächern unterschiedlich stark zu vertiefen. Wer zum Beispiel Unterstützungsbedarf in Mathematik hat, muss nicht mehr das ganze Schuljahr wiederholen. Gleichzeitig können Stärken gezielt ausgebaut werden. Verschiedene Lernumgebungen sollen dafür sorgen, dass auf Unterschiede eingegangen werden kann. Interessen fördern und Überforderung vermeiden ist das Ziel dabei.

Es gibt gute Beispiele, wie unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten in flexiblen Strukturen optimal funktionieren. Das zeigen modulare Kurssysteme in der Sekundarstufe II mit ihrem Fokus auf Begabungsförderung. Aufgaben passen besser zum individuellen Lernstand, indem sie weder zu leicht noch zu schwer sind. So werden Erfolgserlebnisse wahrscheinlicher.

Projekt-Lernen für mehr Eigenständigkeit

Regelmäßige Zeiten für eigenständige Projekte wie wöchentliche Projekttage geben Kindern Raum, Selbstständigkeit zu üben und projektorientiertes Arbeiten zu erlernen. Sie können Fragen bearbeiten, die sie wirklich bewegen. Durch das gemeinsame und altersgemischte Arbeiten an echten Herausforderungen entstehen Kreativität, Problemlösefähigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Mit zunehmender Wahlfreiheit können Schülerinnen und Schüler Schwerpunkte setzen, Interessen vertiefen und Verantwortung für ihr Lernen übernehmen. Das stärkt intrinsische Motivation, Selbstwirksamkeit und die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen.

Wichtig dabei: Individualisierung bedeutet keine Vereinzelung. Lernen bleibt sozial und findet in gemeinschaftlichen Lernumgebungen statt – mit Lernenden, Lehrkräften und Familien. In offenen und kooperativen Lernsettings unterstützen sich Kinder gegenseitig, lernen voneinander und erleben Vielfalt als Bereicherung.

Was Individualisierung bewirkt

Individualisierung erhöht die Bildungsgerechtigkeit: Lernende müssen nicht im Gleichschritt mithalten, sondern können im eigenen Tempo arbeiten. Druck, Stress und Schulversagen nehmen ab, während Motivation und Lernerfolg steigen. Erfahrungen aus der Praxis – von modularen Oberstufen, Kurssystemen über FREI-DAY-Modelle bis zu innovativen Lernumgebungen – zeigen deutlich: Individualisierte Systeme führen zu besseren Ergebnissen und stärkerer Persönlichkeitsentwicklung. Individualisierung ist also eine zentrale Voraussetzung für ein modernes und zukunftsfähiges Bildungssystem.

Infografik zu Wahlmöglichkeiten im Bildungssystem: 79 % der Eltern, 84 % der Schüler:innen und 79 % der Lehrer:innen wünschen mehr Auswahl bei Fächern und Schwerpunkten (Quelle: Triple M Matzka, 2024).

Quellen: OECD (2006): Personalising Education; OECD (2010): Innovative Learning Environments; OECD (2018): The Future of Education and Skills – Learning Compass 2030; Rasfeld, M.: FREI DAY – Die Welt verändern lernen (2021).

Themen bündeln

Relevante Inhalte besser aufteilen

Österreich hat mit den Unterrichtsprinzipien und mit der letzten Lehrplanreform 13 verbindliche Querschnittsthemen festgelegt, die zusätzlich zum Fachunterricht vermittelt werden sollen. Gleichzeitig wurde ein neues Fach – Digitale Grundbildung – eingeführt.

Was nicht gemacht wurde: in anderen Bereichen zu prüfen, welche Inhalte dafür wegfallen könnten. Lehrplanentwicklungen müssen in Zukunft darauf achten, dass veralteter Stoff gestrichen wird, wenn Neues dazukommt.

Der nächste Schritt: Themen bündeln, Tiefe gewinnen

Länder wie Finnland, Estland oder Neuseeland zeigen vor, wie das gut funktioniert. Verbindliche Querschnittsthemen werden dort auf wenige Bereiche beschränkt. In Österreich muss der nächste Schritt sein, verwandte Themen zusammenzufassen und über die Fächer und die Schuljahre sinnvoll zu verteilen. So entstehen größere Themenbereiche, die zusammengehören und in ausgewählten Fächern vertieft behandelt werden.

Vereinfachung: Aus 15 Themen und Prinzipien werden 6 Cluster

Vereinfachung der Themen- und Prinzipienbündelung auf 6 Cluster.

Diese Bündelung hat viele Vorteile: Sie schafft inhaltliche Tiefe, vermeidet inhaltliche Wiederholungen und ermöglicht es Lehrkräften, Zusammenhänge besser sichtbar zu machen. Schülerinnen und Schüler erleben nicht unzählige isolierte Einzelthemen, sondern wenige vernetzte Kompetenzbereiche, die für ihre Lebenswelt relevant sind und systematisch über alle Schulstufen aufgebaut werden.

Weniger Stress, mehr Wirkung: Was sich im Unterricht ändert

Diese Bündelung macht es für Lehrkräfte einfacher. Verständnis- und anwendungsorientiertes Lernen ohne Verluste wird möglich. In der Volksschule werden Grundlagen vermittelt, in der Mittelschule und AHS-Unterstufe dann Schwerpunkte gesetzt. Lehrkräfte haben Zeit für Projekte, Diskussionen, selbstständiges Forschen und Reflexion. Schülerinnen und Schüler erleben weniger Stress und mehr Erfolge. Außerdem können Schulen auch aktuelle Themen flexibel aufgreifen und jedes Jahr eigene Schwerpunkte setzen.

Zusammenhänge erkennen, fürs Leben lernen

Durch die bewusste Fokussierung erkennen Kinder und Jugendliche Zusammenhänge, entwickeln echtes Verständnis und erleben, dass Lerninhalte für ihre Lebenswelt wichtig sind. Wissenschaftliche Evidenz zeigt, wie vernetztes Denken entsteht: durch intensive Auseinandersetzung mit wenigen, gut aufgebauten Bereichen.

Zwei Kinder lachen und balancieren Bücher auf ihren Köpfen vor einem Fenster, ergänzt durch große Bleistiftspäne.

Wo die Bildung steht

Signale wo es besser ginge

Zukunftstauglichkeit / „fürs Leben“

Skalenmittelwerte: Je höher, desto kritischer die Vorbereitung auf das Leben nach der Schule.

Schüler:innen

1 6

3,5

Lehrer:innen

3,8

Eltern

4,3

Top-Herausforderung: Social Media

Pädagog:innen bewerten Social Media als größte aktuelle Herausforderung (Skala 1–6).

Social Media / Lernen / Konzentration

5,3

Bürokratische Belastung

5,0

Heterogene Klassen

4,7

Sprachdefizite / Deutschförderbedarf

4,6

Zuwanderung / Integration

4,3

Zustimmung zum beschlossenen Handyverbot bis 14 Jahre:

Lehrkräfte 92%

Eltern 86%

Schüler:innen 53%

Zufriedenheit mit dem System

Mittelwerte: Schüler:innen bewerten ihre Schule positiver als Eltern und Lehrkräfte.

Schüler:innen

1 5

2,6

Eltern

3,2

Lehrer:innen

3,3

Praxislücke

71%

stimmen zu:

Lehrinhalte sind zu theoretisch und zu wenig praxisbezogen

Elternbefragung (Triple M Matzka, 2024)

Gesamt n = 1.000

Größter Einzelvorwurf an das System im abgefragten Aussageblock.

Lehrkräftemangel und zu wenig Zeit

79%

sehen Lehrkräftemangel kritisch

64%

beklagen zu wenig Zeit für Unterricht

Elternbefragung

Beide Werte gehören zu den am häufigsten genannten strukturellen Engpässen.

Wo wir Bildung weiterbringen

4 Bausteine auf dem Weg zu besserer Bildung

Ranking-Chart: Welche Kompetenzen Vorrang haben

Rangmittelwerte über drei Gruppen. Je weiter links, desto höher die Priorität.

Lehrkräfte Schüler:innen Eltern
123456

Soziale Kompetenzen

Schüler:innen + Eltern gleich auf

2,4

Kritisches Denken

3,0

Lernen lernen

3,4

Kreativität & Innovation

3,8

Teamarbeit

3,8

Digitale Kompetenz

4,6

Gemeinsamer Nenner: Soziale Kompetenzen und kritisches Denken liegen in allen drei Gruppen vorne. Digitale Kompetenz landet überall am Ende des Rankings – trotz Debatte über KI und Digitalisierung.

Reform-Mandat: Platz für Neues schaffen

Top-2-Zustimmung zur Aussage: Für neue Unterrichtsthemen sollen bestehende Lerninhalte reduziert werden.

Schüler:innen

83%

„Ja, unbedingt“ + „eher ja“

Eltern

74%

„Ja, unbedingt“ + „eher ja“

Lehrkräfte

71%

„Ja, unbedingt“ + „eher ja“

Neue Fächer-Richtung

Pluswerte zeigen Zustimmung zur Einführung als eigenes Fach statt bloß im Bestand mitzudenken.

Lehrkräfte
Eltern
Schüler:innen

Wirtschafts- & Finanzbildung

+56

+71

+75

Medienkompetenz

+54

+63

+56

Demokratiebildung

+51

+53

+57

Am stärksten ist der Rückenwind für Wirtschafts- und Finanzbildung, danach Medienkompetenz.

Digitale Werkzeuge & Regeln

Mehr digitale Werkzeuge werden vor allem in höheren Schulstufen gewünscht.

Mehr Digitalisierung nach Schulstufe
Netto „viel mehr“ + „mehr“ bei Eltern

BMS/BHS

45%

AHS-Oberstufe

44%

MS/Unterstufe AHS

35%

Volksschule

23%

Neue Fächer für Mittelschule und AHS

„Man sollte lernen, sich eine eigene Meinung zu bilden, was richtig oder falsch ist. Ein neues Fach Demokratiebildung fände ich eine super Sache.“ (Moritz Eisl, Schüler HTBLuVA Salzburg)

Allgemeinbildung stärken und neue Schwerpunkte setzen

Die Sekundarstufe 1, also die Mittelschule und die AHS-Unterstufe, ist mit ihrem breiten Angebot an unterschiedlichen Fächern ein Kernstück der schulischen Allgemeinbildung.

Die Diskussion, welche Fächer die Allgemeinbildung umfassen soll, reicht bis in die Anfänge des europäischen Schulwesens zurück.

Die wichtigste Frage: Sind die traditionellen Fächer noch zeitgemäß? Oder gibt es andere, neue Fächer, die Allgemeinbildung relevanter und wirkungsvoller für die nächsten Generationen machen?

Infografik zur Bedeutung von Demokratie als Schulfach mit Einstellungen Jugendlicher zu Wahlen, Mitbestimmung und Vertrauen in Politik (Quelle: Lebenswelten Jugendstudie, 2026).

Unsere Vision: Demokratie und Wirtschaft als Schulfächer

Für Demokratie als Schulfach spricht vieles: Es braucht einen Ort, an dem sich junge Menschen über das Zusammenleben in unserer Gesellschaft austauschen, sich mit gemeinsamen Werten befassen und demokratische Prozesse erproben und erleben. Die Demokratie ist weltweit in Bedrängnis. Wer ihr Wesen versteht und den Unterschied zu autoritären Systemen kennt, wird sie eher schützen und verteidigen. Außerdem kann ein solches Schulfach – etwa als „Demokratie, Kommunikation und Konfliktlösung“ – auch einen wertvollen Beitrag dazu liefern, die sozialen Kompetenzen zu stärken. Es soll ein lebendiges Forum sein, in dem Schülerinnen und Schüler sich darin erproben, für ihre Meinungen einzutreten, die Sichtweisen anderer zu verstehen, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten und ihr Umfeld mitzugestalten.

Auch Wirtschaft hat als eigenes Schulfach viel zu bieten. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen fühlt sich nicht auf die Zukunft vorbereitet, wenn es um Geld und Finanzen geht, zeigt die YEP-Finanzbildungsstudie. Ein gutes Verständnis, wie ein Haushalt, ein Unternehmen und unsere Volkswirtschaft funktionieren und zusammenhängen, stärkt die Basis für ein selbstbestimmtes Leben. Dazu gehört auch ein fundierter Berufsorientierungs-Unterricht, der in der Mittelschule und auch im Gymnasium möglichst vielfältige Einblicke in unsere Arbeitswelt geben kann.

Der Weg: Reformieren statt überladen

Wenn wir den Mut haben, andere Fächer zu reduzieren, kann es gelingen, diesen Themen mehr Raum zu geben. Ohne Überforderung für Lernende, Lehrende und die Staatskassen.

Wir planen die Reform der Stundentafel für die Sekundarstufe 1 mit drei konkreten Zielen:

  • Eine neutrale Stundentafel für alle Formen der Sekundarstufe 1 soll die Durchlässigkeit zwischen Mittelschule und AHS-Unterstufe erhöhen. (Sonderformen mit insgesamt höherer Stundenzahl wie Sportmittelschulen und Musikmittelschulen bleiben erhalten.)
  • Neue Fächer „Demokratie, Kommunikation und Konfliktlösung” sowie „Wirtschaft und Berufsorientierung” bringen die Allgemeinbildung auf die Höhe der Zeit und helfen dabei, dass die aktuellen An- und Herausforderungen besser bewältigt werden.
  • Die Schulautonomie soll mit einem erweiterten Stundenkontingent für schulstandortspezifische Schwerpunkte oder Fächer gestärkt werden.

Wenn etwas dazu kommt, muss auch etwas wegfallen. Die konkrete Ausgestaltung der Reform der Stundentafel soll auf Grundlage der Ergebnisse einer Expertinnen- und Expertenkommission unter Einbeziehung der Schulpartner diskutiert werden.

Das kürzlich neu geschaffene Fach „Digitale Grundbildung“ soll als fixer Bestandteil der Sekundarstufe 1 gestärkt werden. Wir wollen es mit der Fortsetzung der Geräteinitiative und dem neu geschaffenen Schulbudget für Lernapps weiter stärken und weiterentwickeln.

Für Schülerinnen und Schüler ohne religiöses Bekenntnis und jene, die sich vom Religionsunterricht abmelden, soll, nach dem Vorbild der Oberstufe, das Schulfach „Ethik“ eingeführt werden.

Fächerbündel in Mittelschule und AHS

„Wenn ich mit denselben Stunden die Fächer Biologie, Chemie und Physik zusammenfassen könnte, würde ich Ressourcen für ethisches und soziales Lernen gewinnen.“ (Andreas Strasser, MA BEd, Schulleiter und Mitglied des Schulleitungsbeirats)

Zusammenbringen, was zusammengehört

Neue Schulfächer bringen neue Impulse und brechen erstarrte Strukturen auf. Aber jedes neue Fach bringt eine noch kleinteiligere Aufsplitterung der Schulwoche. Es braucht daher auch Schritte in die Gegenrichtung: Was können wir weglassen und was lässt sich zusammenführen? Wie können wir fächerübergreifendes, vernetztes Lehren und Lernen am besten fördern?

Die kleinteilige Fächerlogik und die Zeitstruktur isolieren Inhalte und auch Lehrkräfte. Ein lebensnahes Erfahrungslernen wird schwieriger, weil ein Einzelfach oft weit weg von den echten Herausforderungen und Problemstellungen des Alltags ist. Die gute Nachricht: Es gibt mehrere Hebel, um Fächergrenzen zu überwinden – von der Ausbildung der einzelnen Lehrkräfte über das Teamwork im Lehrkörper bis zur Stundentafel für die Schülerinnen und Schüler.

Zwei Kinder arbeiten im Klassenzimmer, eines schaut durch ein Mikroskop, während das andere an der Tafel schreibt, mit Bleistiftspänen als visuelle Elemente.

Lehrkräfte-Teamarbeit

Fächerübergreifender Unterricht bedeutet einen hohen Koordinationsaufwand, der in der Organisation des Schulalltags mitgedacht und mitgeplant werden muss. Es braucht Zeitfenster für eine vertiefte Zusammenarbeit: etwa eine Teamwoche am Ende der Sommerferien, regelmäßige Team-Meetings oder Supervision. Teamarbeit soll neben dem idealistischen Nutzen auch positive Effekte für jede Lehrperson mit sich bringen, wenn die Arbeitszeit besser genutzt werden kann. Teamarbeit bedeutet auch, dass Vorbereitungsarbeit aufgeteilt und zum Motor für mehr vernetztes Lehren und Lernen werden kann.

Flächenfächer im Lehramtsstudium und in der Schule

Einen Schub für fächerübergreifendes Lernen bringt das Zusammenführen von Fächern. Die ersten Schritte dazu sind das Lehramtsstudium und schulautonome Fächerbündel.

Im Lehramtsstudium müssen derzeit zwei Einzelfächer kombiniert werden. Diese wollen wir durch größere Flächenfächer ablösen. So kommen nach und nach mehr Lehrkräfte in die Schulen, die für den Unterricht übergreifender Fächer ausgebildet sind.

Auch Quereinstiegsmodelle über Hochschullehrgänge oder das Leadership-Programm „Teach for Austria“ sind Hebel für das Aufweichen starrer Fächergrenzen. Ein gutes Beispiel ist das Projekt „Seitenwechsel“, bei dem Lehrerinnen und Lehrer für ein Jahr in Unternehmen wechseln und dann ihre Erfahrungen für den Unterricht nutzen können.

Vorreiter Naturwissenschaften

Zum Vorreiter der Einführung von Fächerbündeln in den Schulen kann das Flächenfach Naturwissenschaften werden, das die Fächer Biologie, Chemie und Physik zusammenführt und damit Phänomene wie den Klimawandel integriert behandeln kann.

In einem ersten Schritt wollen wir die bereits mögliche schulautonome Einführung eines Fächerbündels weiter erleichtern, damit diese Möglichkeit mehr genutzt wird. Best-Practice-Beispiele soll besser bekannt gemacht werden – wie etwa jenes der Sir Karl Popper Schule, die in bestimmten Schulstufen ein gemeinsames Fach „Science“ eingeführt hat.

Hier ein visionäres Beispiel für einen Stundenplan mit Fächerbündeln nach Lebensbereichen. Ein Schritt in diese Richtung können Fächerbündel-Lehramtsstudien sein:

Tabelle zur Verknüpfung von Lebensbereichen (z. B. Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt) mit Fachinhalten wie Mathematik, Geschichte, Naturwissenschaften und ergänzenden Themen sowie zusätzlichen Elementen wie Bewegung und Fremdsprachen.

Neue Lehrpläne AHS-Oberstufe

„In Zeiten der künstlichen Intelligenz ist es wichtig, dass wir die Schülerinnen und Schüler vertraut machen mit der Technologie, mit der sie später sehr viel umgehen werden.“ (Marko Belić, AHS-Landesschulsprecher Niederösterreich)

Kompetenzen für eine komplexe Welt

Der neue AHS-Lehrplan nähert sich den Lebenswelten junger Menschen und den Anforderungen einer komplexen Welt. Wo früher Faktenlernen im Vordergrund stand, wird der neue Schwerpunkt auf Kompetenzorientierung und Handlungsfähigkeit gelegt. Ein wichtiger Schritt hin zu zukunftsfähiger Bildung in Österreich.

Schulautonome Schwerpunkte und Fächerbündelungen geben Schulen und Lehrkräften Gestaltungsspielraum. Kompetenzbeschreibungen bieten Orientierung und machen die fächerübergreifende Zusammenarbeit einfacher.

Themen für Teilhabe in einem neuen Zeitalter

Die Themen Medien- und Demokratiebildung, Informatik und künstliche Intelligenz werden in allen AHS-Formen stärker präsent. Schülerinnen und Schüler erwerben informatisches Denken, Verständnis von Algorithmen und ein reflektiertes Verständnis von künstlicher Intelligenz und Datenschutz. Dazu kommen kritische Mediennutzung, Quellenbewertung, digitale Mündigkeit und Wissen zur Demokratie. All das sind wichtige Kompetenzen für Studium, Beruf und demokratische Teilhabe im 21. Jahrhundert.

Wirtschaft, Innovation, Nachhaltigkeit vernetzt

Im Wirtschaftskundlichen Realgymnasium werden Wirtschaft, Innovation und Nachhaltigkeit gebündelt. Das heißt, es geht im Unterricht darum, Geschäftsideen zu entwickeln, wirtschaftliche Zusammenhänge zu sehen und reale Projekte mit ökologischem und sozialem Fokus zu bearbeiten. Wirtschaft wird dabei immer gemeinsam mit Gesellschaft und Umwelt betrachtet.

Zukunftskompetenzen nah am Leben

Kritisches Denken, Kreativität, Zusammenarbeit und Kommunikation werden durch Projektarbeit, neue Lernformen und fächerübergreifende Aufgaben systematisch gefördert. Themen wie Klimawandel, Finanzbildung, Medienkritik oder KI machen Lernen lebensnah und stärken Selbstständigkeit und Resilienz.

Selbstwirksamkeit und Gestaltungskompetenz

Gleichzeitig erleben Schülerinnen und Schüler, dass ihr Handeln etwas bewirkt: durch eigene Programme in Informatik oder Geschäftsmodelle und schulübergreifende Projekte mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Das fördert Verantwortung und Motivation. Dem lebenslangen Lernen wird eine positive Basis gelegt.

Infografik zur Aktualisierung der Lehrpläne: 77 % der Eltern und 72 % der Lehrer:innen sind dafür, während 16 % bzw. 24 % dagegen sind (Quelle: Hajek, 2026).

Eine junge Frau trägt Schutzbrille und blickt zur Seite, beleuchtet von grünlichem Licht, ergänzt durch eine Bleistiftspäne im Bild.

Duale Oberstufe mit PTS und Berufsschulen

Näher an der neuen Arbeitswelt

Wir brauchen innovative Wege, die Jugendliche individuell begleiten und ihnen Türen zur modernen Arbeitswelt öffnen. Das gelingt dann am besten, wenn Schule und Wirtschaft eng zusammenarbeiten und flexible Bildungswege ermöglichen.

Die Polytechnische Schule ist ein entscheidender Baustein dafür. Ihre Grundidee ist in unserer dynamischen Arbeitswelt sehr aktuell: Junge Menschen bekommen Zeit zur Orientierung und Entwicklung praktischer Fähigkeiten. Deshalb wollen wir die Polytechnische Schule stärken und die Kooperation mit Berufsschulen und Betrieben weiterentwickeln.

Bildungscampus der Dualen Oberstufe

Unsere Vision: Die Polytechnische Schule wird Teil eines örtlichen oder virtuellen Bildungscampus. Polytechnische und Berufsschulen rücken räumlich zusammen oder bilden Netzwerke mit gemeinsamem Personalpool, digital vernetztem Lernen und Peer-to-Peer-Aktivitäten zwischen PTS-Schülerinnen und -schüler und Lehrlingen. Unter einem gemeinsamen organisatorischen Dach sollen Jugendliche durchgängig begleitet werden, unterschiedliche Berufsfelder kennenlernen, ihre Stärken ausloten, sich für eine Fachrichtung entscheiden, einen Lehrbetrieb finden und in die duale berufliche Ausbildung hineinwachsen. Ziel ist es, einen gelungenen Übergang zu schaffen und gleichzeitig Netzwerke zwischen Schularten, Betrieben und Institutionen zu fördern.

Durchgängiger Weg zu Lehrabschluss und Berufsmatura

Zusätzlich zu PTS und Berufsschule soll auch die Vorbereitung auf die Berufsreifeprüfung unter demselben Dach angeboten werden, sodass vom Orientierungsjahr im „Poly“ bis zur Lehrabschlussprüfung und zur Berufsmatura ein durchgängig betreuter Weg an einem Bildungsort oder in einer Bildungsorganisation entsteht. Für einen solchen Reformprozess sind ohne Zeitdruck zahlreiche rechtliche, räumliche und organisatorische Fragen zu klären. Für manche Berufe gibt es österreichweit nur einen einzigen Berufsschulstandort – diese Fachrichtungen werden daher nur digital und nicht örtlich eingebunden werden können. Die Vision eines durchgängig betreuten Bildungswegs ist also mit der Vielfalt der Ausbildungslandschaft in Einklang zu bringen.

Neue Formen und Inhalte im Lehrplan

Neue Lehrpläne im PTS- und Berufsschulbereich sollen modular aufgebaut und individuell kombinierbar sein. Der modulare Aufbau erleichtert den Wechsel zwischen verschiedenen Lehrberufen. Projektarbeit, digitale Lernformen und persönlichkeitsbildende Inhalte ermöglichen es den Jugendlichen, sich auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Unterstützt werden sie dabei von Mentoren, Lehrkräften und Menschen mit praktischer Expertise.

Duale Oberstufe als Talentemotor

Die hier beschriebene Vision einer dualen Oberstufe bedeutet, dass wir Jugendlichen Räume und Chancen eröffnen. Ein abgestimmtes und in sich flexibles Angebot eröffnet jungen Menschen mehr Möglichkeiten, den zu ihren individuellen Voraussetzungen und Interessen passenden Bildungsweg zu finden. Durch individuelle Begleitung und vielfältige Erfahrungsmöglichkeiten erhalten sie die Chance, ihre Talente zu entdecken und fundierte Entscheidungen über ihre berufliche Zukunft zu treffen. Die Zukunft der Berufsschulen und Polytechnischen Schulen sehen wir in einem Bildungssystem, das Theorie und Praxis, Schule und Arbeitswelt verbindet und flexibel genug ist, um allen Jugendlichen einen gelingenden Einstieg in die Berufswelt zu ermöglichen.

Berufsbildende Mittlere und Höhere Schulen

Zukunftsfit: Wirtschaft im Wandel, berufsbildende Schulen auch

Österreichs berufsbildende Schulen – mittlere und höhere technisch-gewerbliche und kunstgewerbliche Schulen und Lehranstalten, höhere land- und forstwirtschaftliche Lehranstalten, Bundesforstfachschule, Handelsakademien und Handelsschulen, mittlere und höhere Schulen für wirtschaftliche Berufe, Tourismus, Mode, Kunst und Gestaltung, Produktmanagement und Präsentation, Pflege und Sozialbetreuung, Sozialberufe sowie Berufsschulen – packen die Herausforderungen der Zukunft an und setzen auf Anpassungsfähigkeit, Innovationskraft, Fachexpertise und ganzheitliche Bildung. Die Arbeitswelt verlangt kreative Problemlöser, selbstreflektierte Persönlichkeiten und Teamplayer, die mit Komplexität und stetigem Wandel umgehen können.

Mit den neuen Lehrplänen werden junge Menschen optimal darauf vorbereitet, in einer unvorhersehbaren, dynamischen Wirtschaft zu bestehen sowie ihren Bildungs- und Lebensraum aktiv mitzugestalten.

Ein weiterer Ausbau der schulautonomen Möglichkeiten eröffnet zudem neue und innovative Gestaltungsräume und schafft auch weiteren Raum für branchenspezifische Entwicklungen.

Kompetenz statt Reproduzieren: Was wirklich zählt

Wer im späteren Beruf und Leben bestehen will, muss über reines Expertenwissen hinausgehen. Berufsbildende Schulen sind „Werkstätten“ für Kompetenzen, formen die Persönlichkeit. Erfolgreiche Absolvent:innen müssen in der Lage sein, Verantwortung zu übernehmen, unternehmerisch zu denken, flexibel zu handeln und Leadership und Innovationskraft zu zeigen. Der Unterricht setzt darum künftig noch stärker auf Eigeninitiative, Transferaufgaben und Teamwork. Kreativität, Feedbackkultur und Risikobereitschaft werden gezielt gefördert – für resiliente, digital- und klimafitte Persönlichkeiten.

Fokus Transversal & Green & Digital: Neue Skills für Transformation und KI-Zeitalter

Umwelt, Energie, KI, Digitalisierung, Migration: Die „Grand Challenges“ unserer Zeit verlangen flexible, kreative Lösungsfinder. Lehrpläne werden auf Jobs der Zukunft ausgerichtet – Umweltschutz, Digitalisierung und neue Branchen stehen im Mittelpunkt. Gezielte Initiativen schließen Digital- und Green-Skills-Lücken, Kompetenzzentren entstehen. Kooperation mit Wirtschaft und Industrie wird intensiviert. Österreichs jungen Talenten stehen damit globale Märkte offen.

International am Puls der Zeit

Um die Anschlussfähigkeit zu den europäischen Arbeits- und Bildungssystemen zu sichern, orientieren sich die neuen Lehrpläne der berufsbildenden Schulen weiterhin an den Vorgaben des Europäischen bzw. Nationalen Qualifikationsrahmens. Das garantiert Transparenz und internationale Vergleichbarkeit – ein wichtiger Vorteil angesichts der steigenden internationalen Mobilität von Arbeitskräften.

Exemplarisch wird nachfolgend näher auf die neuen Lehrpläne der HAK, HTL und Tourismusschulen eingegangen.

Neue Lehrpläne HAK

Bereit für die digitale Wirtschaftswelt

Mit dem geplanten Inkrafttreten des neuen Lehrplans für das Schuljahr 2027/28 stellt sich die berufsbildende Ausbildung in Österreich neu auf. Sie macht sich fit für die Herausforderungen einer dynamischen und vielfältigen Arbeitswelt. Im Mittelpunkt der neuen HAK-Lehrpläne stehen innovative Unterrichtsinhalte, moderne didaktische Konzepte sowie ein stärkerer Fokus auf zukunftsorientierte Kompetenzen.

Neue Unterrichtsfächer und Kompetenzen für die Zukunft

Die Lehrplanreform bringt eine Reihe neu entwickelter Unterrichtsfächer, die gezielt auf die Anforderungen von Wirtschaft und Gesellschaft eingehen. Fächer wie „Business Experience & Future Challenges“, „Economic & Financial Literacy“ und „IT-Business & Creative Solutions“ fördern das Wissen in den Bereichen Wirtschaft, Innovation und digitale Kompetenzen. Die zweiten lebenden Fremdsprachen werden zu Internationale Kommunikation weiterentwickelt. Das stärkt mehrsprachige, multikulturelle Fähigkeiten. Übergreifende Kompetenzen wie kritisches Denken, Probleme lösen, Teamarbeit und digitale Praxis werden in unterschiedlichen Fächern Platz finden.

Schwerpunkt auf Entrepreneurship, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Praxis

Nachhaltigkeit, Unternehmertum sowie der verantwortungsvolle Einsatz digitaler Technologien und künstlicher Intelligenz ziehen sich als relevante Leitthemen durch den gesamten Lehrplan. Ebenso werden Querschnittsthemen wie Demokratiekompetenz, Green Skills und Digitale Bildung fest verankert. So lernen Schülerinnen und Schüler, Verantwortung zu übernehmen und aktiv an einer nachhaltigen Gesellschaft mitzuarbeiten. Diese Kompetenzen werden in vielfältigen Lernumgebungen gestärkt – von der Arbeit in Übungsfirmen bis hin zu praxisnahen Projekten und Praktika. Einen besonderen Stellenwert hat dabei das Pflichtpraktikum: Die Handelsakademie sieht dafür mindestens 300 Stunden außerhalb der Unterrichtszeit vor, wobei praktische Erfahrungen im Ausland empfohlen werden.

Moderne Prüfungskultur und flexible Schulorganisation

Schularbeiten gibt es zukünftig nur noch in den typenbildenden Maturafächern wie Deutsch, Englisch oder Betriebswirtschaft. In anderen Fächern werden mehr mündliche Prüfungen durchgeführt, bei denen das Gelernte angewendet wird. Dabei werden oft verschiedene Fächer miteinander verbunden.

Außerdem bekommen die Schulen mehr Autonomie: Sie dürfen selbst stärker entscheiden, wie viele Stunden für welche Fächer verwendet werden, was unterrichtet wird und auf welche Art und Weise gelernt wird – zum Beispiel durch Projekte, Gruppenarbeiten oder digital. So kann jede Schule ihren Unterricht bestens an die eigenen Schwerpunkte und die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler anpassen.

Ausblick: zukunftsfitte Handelsakademie

Die Neuausrichtung der HAK-Lehrpläne ist ein entscheidender Schritt für eine moderne und praxisnahe Berufsbildung. Sie stärkt die wirtschaftliche Kompetenz junger Menschen, macht sie fit für die Herausforderungen der digitalen und globalisierten Arbeitswelt und sichert damit auch Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft in Österreich und Europa.

„Als Bildungs-Entrepreneur:innen gestalten wir im Rahmen verantwortungsvoller Schulautonomie zahlreiche – auch neu definierte – Gegenstände und Lernarrangements, um neben einem breiten Kompetenzportfolio auf mehrperspektivisches Denken, soziale Kompetenzen und kreatives Problemlösen zu setzen.“ (Mag. Jörg Hopfgartner, Direktor BHAK BHAS Wien 10, HAK/HAS-Direktor:innensprecher Österreich)

Person mit Laptop im beigen Blazer vor hellem Hintergrund, mit dekorativen Bleistiftspänen im Bild.

Neue Lehrpläne HTL

„Der Lehrplan schafft Freiräume für Makerspaces sowie Junior- und Seniorprojekte und berücksichtigt aktiv die rasant wachsenden Anforderungen von Industrie und Wirtschaft. Er verbindet technisches Basiswissen mit dem notwendigen Spezialwissen. Damit wird die HTL-Ausbildung weiterhin zum Motor von Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit.“ (Hofrat DI Wolfgang Bodei, Direktor HTL Hollabrunn, Mitglied im Schulleitungsbeirat)

Zukunftssichere Wege für Kompetenz und Praxis

Die neuen Lehrpläne für die Höheren Technischen Lehranstalten (HTL) bringen ab 2027 einen Innovationsschub für die technische Ausbildung in Österreich. Ziel ist es, die Ausbildungswege zeitgemäß, praxisnah und flexibel zu gestalten.

Entlastung, Flexibilität und Kompetenzorientierung

Die Wochenstunden reduzieren sich von maximal 39 auf 34 Stunden und werden über die Jahre besser verteilt. Schülerinnen und Schüler haben mehr Zeit für individuelle Förderung und persönliche Entwicklung. Gleichzeitig entsteht Freiraum für selbstständiges Arbeiten, Projektarbeit und das direkte Anwenden des Erlernten.

Innovative Unterrichtsmodule und Projektarbeit ab 2027

Ein zentraler Innovationsschritt ist die Einführung der „Junior und Senior Projects“. Diese Projekte fördern die Problemlösungs-, Planungs- und Umsetzungskompetenz von der Aufgabe bis zur Lösung und sind maßgeschneidert auf den Leistungsfortschritt der Lernenden. Lehrpersonen erhalten die Möglichkeit, Grundkompetenzen zu stärken und besondere Talente von Schülerinnen und Schülern individuell zu fordern. Wir schaffen somit eine Art Start-up-Kultur engagierter technischer Nachwuchskräfte, die den Arbeitsmarkt mitgestalten und den Standort international attraktiv machen.

Neu ab 2027 ist auch das Unterrichtsfach „Makerspace“ in der 9. Schulstufe, das experimentierendes Arbeiten und einen experimentellen Zugang zur Technik fördert. Mit diesem Zugang wird Begeisterung für technische Herausforderungen geweckt. Die Motivation für die weiterführende Ausbildung steigt.

Neue Wahlpflichtmodule auf Höhe der Zeit

Darüber hinaus werden Wahlpflichtmodule etabliert: Green Transition/Kreislaufwirtschaft, Künstliche Intelligenz, Cybersecurity und Entrepreneurship bereichern das Fächerangebot und machen eine Spezialisierung möglich. Die modulare Struktur des Lehrplans setzt einen stabilen Kern, der durch flexibel anpassbare Wahlmodule ergänzt wird. So kann alle zwei bis drei Jahre auf aktuelle technologische Entwicklungen reagiert werden. Das Ausbildungsangebot bleibt dauerhaft aktuell und dynamisch.

Diese Lehrplanreform ist ein klares Bekenntnis zur Qualität und Modernität unserer berufsbildenden Schulen. Basics für alle Absolventinnen und Absolventen und Möglichkeiten für High Performer ergänzen einander zu einem attraktiven und zukunftsfähigen Bildungsangebot.

„Themen wie KI und Medien sind in Zeiten der Globalisierung sehr wichtig. Sie sollten digital und in Arbeitsgruppen vermittelt werden.“ (Arthur Kienberger, Schüler HTBLuVA Salzburg)

Neue Lehrpläne BAfEP

Attraktive Ausbildung für mehr Fachkräfte in der Elementarpädagogik

Die Bildungsanstalten für Elementarpädagogik, vormals Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik, waren lange die alleinigen Ausbildungsstätten für Elementarpädagoginnen und -pädagogen in Österreich.

Das Berufsfeld der Elementarpädagogik hat sich in den zehn Jahren seit der Umbenennung stark gewandelt. Das Kinderbildungs- und -betreuungsangebot wurde in den meisten Bundesländern deutlich ausgebaut. Mehr Plätze und längere Öffnungszeiten sorgen für bessere Versorgung.

Jetzt geht es darum, bundesweite Qualitätsstandards – beispielsweise bei den Gruppengrößen – zu sichern. Das wird den Bedarf an Fachkräften erhöhen.

In den vergangenen Jahren wurden daher zusätzliche Wege in die Elementarpädagogik eröffnet, u.a. auch im Hochschulbereich. Dazu zählen Hochschullehrgänge für den Quereinstieg und für die Aufqualifizierung von Assistenzkräften zu Fachkräften sowie die neuen PH- und FH-Studien, die mit Bachelor und Berufsberechtigung abschließen.

Die neuen BAfEP-Lehrpläne sollen nun an die veränderten Anforderungen angepasst werden.

Eine neue Ausbildung muss folgende Kriterien erfüllen:

  • Basierend auf dem neuen Bildungsrahmenplan auf die zunehmend vielfältigen Aufgaben im Berufsfeld vorzubereiten.
  • Noch mehr junge Menschen – auch männliche – für die Elementarpädagogik gewinnen, um den hohen Fachkräftebedarf abzudecken.
  • Sich als schulische Ausbildung klar vom Studium an den Hochschulen unterscheiden. Absolventinnen und Absolventen beider Bildungswege sollen einander im Berufsfeld bestmöglich ergänzen.

Vielfältige Anforderungen

Mit einem neuen Lehrplan wollen wir eine zeitgemäße Ausbildung an der BAfEP sicherstellen, um den vielseitigen Anforderungen in der Praxis der Kinderbildung und -betreuung gerecht zu werden.

Kritisches Reflektieren, systemisches Problemlösen und die Förderung der Resilienz, der Kreativität und sozialer Kompetenzen bekommen einen hohen Stellenwert in der Ausbildung. Der Lehrplan wird fachliche und überfachliche Kompetenzen enthalten. Damit angehende Pädagoginnen und Pädagogen auf die komplexen Herausforderungen vorbereitet sind, mit denen sie konfrontiert werden.

Pädagogik, begleitete Praxis, Sprache, MINT, Kreativität und Gesundheit

Eine entscheidende Rolle kommt der pädagogischen und didaktischen Basisausbildung und den Praxisphasen zu. Sie werden ausgebaut und professionell begleitet. Die Zusammenarbeit mit den Eltern und die multiprofessionelle Kooperation mit anderen pädagogischen und therapeutischen Berufen rückt stärker in den Fokus. MINT-Fächer, Sprachen, kreative und musische Fächer sowie Gesundheitsthemen wie Bewegung und Ernährung behalten ihre große Bedeutung sowohl für die Allgemeinbildung als auch für die berufliche Bildung der angehenden Elementarpädagoginnen und Elementarpädagogen.

Ein Barista mit Brille und Schürze lächelt und hält eine Tasse Kaffee, daneben eine dekorative Bleistiftspäne.

Neue Lehrpläne Tourismusschulen

Moderne Ausbildung als Zukunftsmotor

Mit Beginn des Schuljahres 2027/28 treten für die Ausbildungsformen Höhere Lehranstalt für Tourismus (HLT), Hotelfachschule (HF), Aufbaulehrgang (AUL), Tourismuskolleg sowie Aufbaulehrgang für Berufstätige (AUL für Berufstätige) umfassend novellierte Lehrpläne in Kraft. Die Neufassung dieser Lehrpläne ist ein wesentlicher Schritt zur Modernisierung und Zukunftssicherung des österreichischen Bildungswesens.

Kompetenzorientierung, Digitalisierung und Praxisbezug im Mittelpunkt

Gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Entwicklungen werden nachhaltig in den Unterricht integriert und ein stärkerer Praxis- und Zukunftsbezug entsteht. Neue Fächer wie „Marketing und touristische Trends“, „Touristischer Echtbetrieb“ sowie „Bewegung und Sport mit sportlicher Animation“ betonen den touristischen Fokus und werden aktuellen und zukünftigen Anforderungen der Branche und der Gesellschaft gerecht. Auch neu auf dem Stundenplan: „Wirtschaft, Finanzmanagement und unternehmerisches Handeln“. Hier wird eine praxisnahe Verbindung von Betriebswirtschaft, Rechnungswesen und Entscheidungsprozessen hergestellt.

„Der neue Lehrplan ist die Grundlage für eine fachlich solide Ausbildung der Gastgeber:innen von morgen und umfasst auch Soft Skills für alle Bereiche der Tourismus- und Freizeitwirtschaft. Er ist so offen formuliert, dass alle Entwicklungen der Branche der nächsten Jahre Platz im Unterricht finden können!“ (HR Mag. Jürgen Kürner, Direktor Tourismusschulen Semmering)

Praxis mit Verantwortung

Der Anspruch ist es auch, Schülerinnen und Schüler in ihrer gesellschaftlichen Verantwortung und als mündige Bürgerinnen und Bürger umfassend auszubilden: durch Integration digitaler Kompetenzen in allen Pflichtgegenständen, die verbindliche Verankerung von Persönlichkeitsbildung sowie die Stärkung von Querschnittmaterien wie Green Skills, digitale Bildung, Berufs- und Karriereorientierung sowie Demokratiebildung. Damit werden Kompetenzen vermittelt, die im internationalen und werteorientierten Tourismus zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Mit den neuen Lehrplänen stellen wir sicher, dass zentrale Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und persönliche Weiterentwicklung feste Bestandteile der Ausbildung im Tourismus sind. Wir fördern praxisnahe Kompetenzen und bereiten unsere Schülerinnen und Schüler auf eine moderne Tourismusbranche vor. Das sichert die hohe Qualität der Ausbildung und stärkt die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Tourismus nachhaltig.

Inklusion

Faire Bildungschancen für alle

Inklusive Bildung ist eines unserer zentralen Ziele: Alle Schülerinnen und Schüler sollen die bestmögliche Bildung erhalten. Niemand darf wegen körperlicher oder psychischer Behinderung benachteiligt werden. Dazu hat sich Österreich in der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2008 verpflichtet.

Rechtsanspruch auf ein 11. und 12. Schuljahr

Ab dem Schuljahr 2027/28 ist ein Rechtsanspruch auf ein 11. und 12. Schuljahr geplant, den alle Kinder und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) haben sollen. So wird Bildung über die Pflichtschulzeit hinaus erstmals gesetzlich abgesichert. Es wird für diese Kinder möglich, ihren individuellen Bildungsweg flexibel fortzusetzen. Sie werden gezielt auf den Einstieg ins Berufsleben und/oder persönliche Förderbedarfe vorbereitet.

Große Schritte für mehr Inklusion

Auch das SPF-Feststellungsverfahren wollen wir modernisieren. Mehr Schülerinnen und Schüler sollen die notwendige Unterstützung erhalten. Eine höhere Deckelung der Förderquote ist ein möglicher Weg dazu. Eine weitere geplante Verbesserung ist die ganztägige Betreuung. Auch die Ausbildung von Lehrkräften mit Schwerpunkt Inklusion und Sonderpädagogik soll reformiert werden, um das Bildungssystem für mehr Teilhabe bereitzumachen und mehr Expertise in diesem Bereich zu gewährleisten.

Im Einklang mit der UN-Behindertenrechtskonvention setzen wir uns für inklusive Schulen ein. Insbesondere der weitere Ausbau von integrativen und barrierefreien Bildungsangeboten – auch in der Sekundarstufe II – ist Teil der geplanten Reformen.

Alle mitnehmen und Stärken sehen

Echte Inklusion bedeutet für uns: gemeinsames Lernen von Anfang an, individuelle Unterstützung und moderne pädagogische Konzepte. Wir sind uns sicher, dass eine Öffnung zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und internationalen Best-Practice-Beispielen Positives bewirken kann. Alle werden mitgenommen, um in jedem Kind die individuellen Stärken zu erkennen und zur Entfaltung zu bringen.

Aus unserer Sicht braucht inklusive Bildung in Österreich vor allem Mut zur Veränderung und den klaren Willen, Barrieren im System konsequent abzubauen. Wir stehen für ein Bildungssystem, das sich an den Bedürfnissen jedes einzelnen Kindes orientiert, und glauben an die positive gesellschaftliche Wirkung inklusiver Schulformen.

Eine junge Frau mit Schutzbrille und Schürze lehnt an einem kleinen Holzhaus und schaut in die Kamera, ergänzt durch Bleistiftspäne.

Woran wir Fortschritt erkennen

Daten und Messbarkeit

Neue Möglichkeiten für besseres Lernen

Wir als Gesellschaft und die Schulgemeinschaft jeder Schule haben die Aufgabe, die bestmöglichen Lernerfahrungen für alle Schülerinnen und Schüler zu schaffen. Schul- und Unterrichtsqualität müssen sich kontinuierlich weiterentwickeln. Die künftig in Österreich verfügbaren Schuldaten bieten dafür neue Möglichkeiten. Ob Lernstandserhebungen, Feedback von Schülerinnen, Schülern und Eltern oder die Auswertung von Evaluationsergebnissen: Daten eröffnen uns Chancen, unseren Unterricht lernförderlicher und gerechter zu gestalten.

Daten, die befähigen

Unser Ziel ist eine Schule, in der Daten nicht beurteilen, sondern befähigen, Schülerinnen und Schüler optimal zu fördern und Unterricht im Team zu entwickeln. Entscheidungen werden auf Basis von Evidenz, Erfahrung und pädagogischem Verständnis getroffen. Schulleitungen schaffen dafür Raum, Zeit und gegenseitiges Vertrauen. Denn Daten sind kein Selbstzweck. Erst durch ihre Einbettung in den jeweiligen Schulkontext erwachen sie zum Leben und entfalten ihren Zauber. Sie helfen uns, unsere Erfolge, Herausforderungen und Entwicklungspotenziale durch eine objektive und externe Brille zu betrachten. Verbinden wir dies mit unserer eigenen Erfahrung, entstehen neue Perspektiven und Wege.

Entwicklung mit System

Mit dem neuen Bildungsinformationssystem stehen erstmals relevante schulische Kennzahlen interaktiv und übersichtlich für Schulleitungen und Bildungsverwaltung bereit – ein Meilenstein für gelebte datenbasierte Schulentwicklung. Die ausgewählten Kennzahlen sind gezielt auf die schulische Entwicklung ausgerichtet und fokussieren auf die zentrale Frage: Was wollen wir für unsere Schülerinnen und Schüler verbessern? Schulen reflektieren auf dieser Basis regelmäßig ihre Ergebnisse, teilen Beobachtungen und leiten konkrete Maßnahmen ab. Sie erhalten ein breites Angebot an Fortbildungen, Vernetzung und Möglichkeiten für kollegialen Austausch.

Erstmals werden schulbezogene Indikatoren künftig auch öffentlich einsehbar sein, um Eltern in ihrer Schulwahl evidenzbasiert zu unterstützen. In der Schulverwaltung unterstützen Daten die Zieldefinition und Erfolgskontrolle im autonomen Schulsystem. Auch das Bildungsministerium nutzt Daten, um Reformen aufgrund von Fakten zu gestalten und deren Wirkung im Blick zu haben.

Bewährte Praxis und klare Leitplanken

Datenbasierte Schul- und Unterrichtsentwicklung hat großes Potenzial, birgt aber auch Risiken. Entscheidend ist, dass diese bekannt sind und von Anfang an mitgedacht und Daten immer im jeweiligen Schulkontext betrachtet werden. Das Beispiel England zeigt, wie Leistungs- und Lernfortschrittsdaten systematisch für Selbstevaluation und Schulentwicklung genutzt werden können, es dabei jedoch stark auf eine gemeinsame, reflektierte und nicht rein kontrollierende Anwendung ankommt. Portugal gilt laut OECD als Positivbeispiel, weil integrierte nationale Datensysteme gezielt eingesetzt werden, um Unterricht und Schule evidenzbasiert weiterzuentwickeln.

Eine Lehrerin schreibt an ein Whiteboard in einem hellen Raum, konzentriert bei der Arbeit.Christoph Wiederkehr im Gespräch mit einem Mann, der ein Blatt Papier hält, im Hintergrund eine größere Veranstaltung mit Publikum.Ein Publikum aus Erwachsenen sitzt dicht beisammen und hört aufmerksam zu, einige melden sich oder diskutieren.
Bürgerinnen- und Bürgerforen zum Plan Zukunft(Fotocredit: BKA 2026)

Ein Diagramm mit Liniengrafiken auf einem Blatt Papier an der Wand, ergänzt durch dekorative Bleistiftspäne.

„Es gibt viel Best Practice, von der andere Schulen lernen können. Ein Beispiel ist ein Gymnasium mit einem flexiblen Zeitmodell, das Flexkurse und individuelles Lernen ermöglicht." (Philipp Köck, Landesschulsprecher)

Best Practices Bildungsinnovationen

Innovative Schulen sichtbar machen und vernetzen

In einer modernen Bildungslandschaft müssen Fortschritte sichtbar und messbar sein – als Inspiration und als Messlatte.

Die Sichtbarkeit innovativer Schulen ist die gemeinsame Aufgabe der Verwaltung, der Politik und auch der Innovationsstiftung für Bildung (ISB). Die ISB verbindet öffentliche und private Impulse und fördert und vernetzt innovative Schulen. Sie unterstützt Bildungseinrichtungen in Österreich dabei, Innovation zu leben und zu nutzen.

In den kommenden Jahren werden wir mit der ISB den Kreis innovationsfreudiger Bildungseinrichtungen vergrößern. Uns ist es wichtig, dass Schulen Veränderungsprozesse gestalten, neue Lösungen entwickeln und diese im Schulalltag verankern. Diese Schulen sind lernende Organisationen, die positiv auf das gesamte Bildungssystem wirken.

Community innovativer Schulen

Die ISB etabliert dazu ab 2026 eine Community innovationsfreudiger Schulen aller Schularten in ganz Österreich. Diese Schulen vernetzen sich, arbeiten an gemeinsamen Entwicklungsfragen und teilen wirksame Innovationsansätze. Bis 2029 wird das Netzwerk auf rund 600 Schulen ausgedehnt. Regelmäßige Austauschformate, Workshops, Peer-Learning-Settings sowie eine digitale Plattform sind die Basis für den Erfolg. Die Plattform vernetzt, macht sichtbar und bringt Schulen zusammen, die ähnliche Entwicklungsanliegen haben. Das soll Innovation erleichtern, beschleunigen und die Change-Kompetenz der Schulen stärken.

Stiftungspreis Bildungsinnovation

Schulen und Kindergärten, die Veränderung gestalten und neue Lernformen entwickeln, sollen gewürdigt und sichtbar werden. Mit dem ISB Stiftungspreis Bildungsinnovation werden besonders innovative Einrichtungen ausgezeichnet und als Vorbilder präsentiert. Ergänzend dazu zeichnet der IDEAS-Preis umgesetzte Innovationsideen aus dem Schulalltag aus. Eine Graphic Novel zu innovativen Schulen in Österreich macht positive Schulentwicklungsprozesse anschaulich.

Hospitation und Peer-Learning

Die ISB setzt gezielt auf Hospitation als Instrument der Schul- und Organisationsentwicklung. Im Mittelpunkt stehen dabei Einrichtungen, die bereits erfolgreich innovative Ansätze umgesetzt haben und mit dem ISB Stiftungspreis prämiert wurden. Der Transfer erprobter Innovationen wird dadurch gefördert und die Innovationsbereitschaft erhöht.

Veränderungskompetenz von Schulleitungen stärken

Mit einem Cross-Mentoring-Programm bringen wir Schulleitungen in den Austausch mit Führungskräften aus der Wirtschaft, um Kompetenzen in Leadership, Transformation und Organisationsentwicklung zu vertiefen. Change-Management-Wissen für Schulen zu entwickeln und zu verbreiten, ist ein weiterer Schwerpunkt der ISB und ein wichtiger Hebel, um unser Bildungssystem zukunftsfit zu machen.

Bildungspflicht und Mittlere Reife

Neues Fundament für gerechte Chancen

Mit der Einführung einer Bildungspflicht und Mittleren Reife gehen wir neue Wege: Regelmäßige Kompetenzerhebungen und frühzeitige Förderung werden zum Motor und festen Bestandteil von Bildungs- und Chancengerechtigkeit.

Laut PISA-Studie 2022 fehlen in Österreich rund 25% der Schülerinnen und Schüler am Ende ihrer Pflichtschulzeit wichtige Grundkompetenzen in Deutsch (Lesen) und Mathematik. Das wird oft zu spät erkannt und hat gravierende Folgen für Lebensgestaltung, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe.

Starke Kompetenzen für ein selbstbestimmtes Leben

Alle jungen Menschen sollen das Schulsystem gestärkt und mit den Kompetenzen verlassen, die ihnen Türen öffnen – zu selbstständigem Denken, erfüllender Arbeit und gesellschaftlicher Mitgestaltung. So schaffen wir nicht nur individuelle Erfolgsgeschichten, sondern stärken auch unser Land als Wissens- und Zukunftsnation.

Früh fördern. Eng begleiten. Gemeinsam wachsen.

Unser Weg ist ein Modell der Lernförderung, das früh ansetzt. Schülerinnen und Schüler werden so lange begleitet, bis sie nachweislich zentrale Grundkompetenzen erreichen. Sie beenden ihre Pflichtschulzeit erst dann, wenn sie mit allen wichtigen Fähigkeiten ausgestattet und startklar für ihre nächste Lebensphase sind.

Die Ergebnisse aus den regelmäßigen Kompetenzerhebungen der iKMPLUS bilden die Grundlage für maßgeschneiderte Lernunterstützung. So werden die Schülerinnen und Schüler von der Volksschule bis zum Ende der Pflichtschulzeit und, wenn nötig, darüber hinaus beim Erreichen zentraler Grundkompetenzen begleitet. Wer die Lernziele auf den Schulstufen 3, 4, 7 und 8 nicht erreicht, erhält gezielte Förderung. So sollen möglichst viele Schülerinnen und Schüler die Bildungsstandards am Ende der 8. Schulstufe erreichen und gut auf weitere Ausbildungswege vorbereitet sein. Wenn nötig, wird über die Pflichtschulzeit hinaus verbindlich gefördert, bis die erforderlichen Kenntnisse nachgewiesen werden oder das 18. Lebensjahr und damit die Ausbildungspflicht vollendet ist.

Die Schülerinnen und Schüler werden in ihren Fähigkeiten möglichst ganzheitlich gesehen und unterstützt. Am Ende der Pflichtschulzeit sollen sie wissen, was sie können und wo ihre Stärken liegen: beim Lesen oder Rechnen genauso wie bei sozialen und personalen Kompetenzen.

Internationale Vorbilder zeigen Erfolge

Die OECD zeigt in ihren Studien: Wenn Lernergebnisse früh beobachtet werden, junge Menschen rechtzeitig unterstützt werden und Schulen konsequent nachhelfen, verbessert das langfristig die Leistungen aller. Das gleicht auch die Unterschiede aus, die durch soziale Herkunft entstehen. In Ländern mit ähnlichen Modellen, wie Finnland, England oder Kanada, erkennt die OECD eine signifikante Verbesserung der Grundkompetenzen und einen Rückgang des frühen Schulabbruchs.

Vision Matura

Neuer Schlüssel für die Zukunft

Die Matura ist seit jeher ein entscheidender Schlüssel für Bildungs- und Lebenswege. Heute sind Kompetenzen wie Kommunikation, Kreativität und Kooperation ebenso wichtig wie faktisches Wissen. Abschließende Prüfungen müssen diese neuen Anforderungen abbilden, damit junge Erwachsene fit für Studium, Beruf und Gesellschaft werden.

Die Matura als Sprungbrett ins Leben

Die Matura der Zukunft gibt jungen Menschen Gewissheit über ihre Stärken und Selbstbewusstsein für ihre nächsten Schritte. Sie beinhaltet Kompetenzen wie kritisches und vernetztes Denken, den Umgang mit Informationen und KI, Problemlösung sowie soziale und digitale Fähigkeiten. Moderne Lernformen wie Projektarbeit, Teamarbeit oder forschendes Lernen münden in zeitgemäße Prüfungsformate. So wird Leistung sichtbar, individuelles Lernen durch Feedback möglich und der Prüfungsstress verringert.

Neue Wege für Vergleichbarkeit und nachhaltiges Lernen

Die neue Matura steht an der Spitze eines modernen Bildungssystems. Sie muss als zentrale Prüfung hohe Standards bei Vergleichbarkeit, Transparenz und Fairness erfüllen. In Zeiten von mehr Schulautonomie ist sie ein wichtiges Instrument, um Ziele festzulegen und deren Erreichung messbar zu machen.

Moderne und aussagekräftige Prüfungsformate sollen helfen, die neuen Ansprüche zu erfüllen. Dies gelingt unter anderem durch:

  • Flexible Schwerpunktsetzungen und alternative Formen der Leistungserbringung, wie Abschlussarbeiten oder Portfolios, sollen als Ergänzung an Bedeutung gewinnen und eine ganzheitliche Kompetenzbetrachtung möglich machen.
  • Interdisziplinäre Projekte und fächerübergreifende Aufgaben sollen mehr Gewicht bei der abschließenden Prüfung bekommen. So kann die Anwendung und Vernetzung des erworbenen Wissens gefördert werden.
  • Standards für Mindestleistung sollen auch in den mündlichen Prüfungsgebieten festgelegt werden.
  • Die Verzahnung von Jahres- und Prüfungsleistung soll verbessert werden. Die abschließende Prüfung wird durch die Dokumentation und Beurteilung kontinuierlich erbrachter Leistungen ergänzt.
  • Digitale Elemente und künstliche Intelligenz werden klar geregelt und didaktisch sinnvoll integriert. So kann Lernen personalisiert werden. Es ergeben sich neue Möglichkeiten, Kompetenzen zu erfassen, Auswertungen zu präzisieren und Lernprozesse durch Feedback zu unterstützen.

Internationale Vorbilder bestätigen den Weg

Innovative Matura-Modelle setzen auf Kompetenzorientierung, Flexibilität und digitale Tools. Länder wie Finnland und Estland beweisen: Fächerübergreifende Aufgaben, digitale Prüfungen und Portfolios fördern Problemlösefähigkeit, Motivation und nachhaltiges Lernen. Die OECD empfiehlt Prüfungssysteme, die lebensnahes Wissen, überfachliche Kompetenzen, Individualisierung und Anwendungskompetenz technologiegestützt in den Mittelpunkt stellen, um Jugendlichen den Übergang ins Studium und Berufsleben zu erleichtern.

Ein Schüler mit Brille steht vor einer Tafel mit mathematischen Formeln und blickt in die Kamera, dekoriert mit Bleistiftspänen.

Christoph Wiederkehr spricht bei einer Veranstaltung mit zwei Personen in einem Innenraum und führt ein angeregtes Gespräch.Christoph Wiederkehr unterhält sich inmitten einer größeren Menschenmenge mit einer Teilnehmerin bei einer Veranstaltung.Christoph Wiederkehr spricht mit zwei jungen Teilnehmenden und lächelt während eines persönlichen Austauschs.
Bürgerinnen- und Bürgerforen zum Plan Zukunft(Fotocredit: BKA 2026)

Wie wir Bildung zum lernenden System machen

Befähigen und Stärken als Beruf

Berufsbild und Personalstrategie zur Stärkung der Lehrkräfte

Als Fachkräfte für Lernen und Lehren erkennen Lehrkräfte die unterschiedlichen Begabungen ihrer Schülerinnen und Schüler. Sie fördern individuelle Potenziale und unterstützen Kinder und Jugendliche dabei, Fähigkeiten zu entfalten. Die ausgeprägte persönliche Identifikation von Lehrerinnen und Lehrern mit ihrem Beruf ist für unser Bildungssystem besonders wertvoll und wichtig.

Lehrerinnen und Lehrer sind offen und agil. Sie bleiben neugierig und anpassungsfähig. In einer Welt, die sich ständig verändert, helfen sie jungen Menschen dabei, Orientierung zu finden, kritisch zu denken und verantwortungsvoll zu handeln. Grundlage dafür sind demokratische, wissenschaftsorientierte und weltoffene Haltungen sowie die Bereitschaft, Innovationen aufzugreifen und nachhaltige Entwicklungen mitzugestalten.

Das kürzlich veröffentlichte, zeitgemäße Berufsbild macht die hohe fachliche Kompetenz, die pädagogische Verantwortung und die gesellschaftliche Bedeutung der Lehrkräfte sichtbar. Damit wird auch die gesellschaftliche Wertschätzung erhöht, die Lehrerinnen und Lehrer für ihre anspruchsvolle Arbeit verdienen.

Lehrerinnen und Lehrer als Schlüsselfiguren

Die Leidenschaft, mit der viele Lehrkräfte ihren Beruf zur Berufung machen, braucht viel Stärke. Daher ist es umso wichtiger, dass Lehrerinnen und Lehrer die bestmöglichen Bedingungen für ihre Tätigkeiten vorfinden. Hier setzt die „Human Resources-Strategie für Lehrerinnen und Lehrer in Österreich“ an.

Sie liefert strategische Leitlinien im Personalmanagement des Bildungssystems und bündelt Maßnahmen entlang des gesamten beruflichen Lebenszyklus: von einer bedarfsgerechten Ausbildung und der Gewinnung qualifizierter Lehrkräfte über attraktive Entwicklungs- und Karriereperspektiven bis hin zu einem professionellen Personaleinsatz sowie guten Arbeitsbedingungen an Schulen. Ziel ist es, engagierte und hoch qualifizierte Lehrkräfte zu gewinnen und sie langfristig im Beruf zu halten. Die definierten Handlungsfelder erhöhen die Attraktivität der Tätigkeit, unterstützen die Qualität des Unterrichts und unterstreichen die zentrale Rolle der Lehrkräfte für die Zukunft unseres Bildungssystems und unserer Gesellschaft.

Die besten Köpfe für die Bildung

Eine verlässliche, vorausschauende Absicherung des Lehrkräftebedarfs ist zentral, damit die Phase des Lehrkräftemangels überwunden wird und keine personellen Engpässe mehr entstehen können. Ziel ist es daher, die besten Köpfe für den Beruf zu gewinnen, bereits Jugendliche für die pädagogischen Berufe zu begeistern, ihnen eine wertvolle, praxisnahe Ausbildung für diese Berufe zu bieten und das Bewusstsein dafür zu schärfen, welche gesellschaftliche Bedeutung und Verantwortung mit einer Tätigkeit im Bildungswesen verbunden ist.

Schulleitung

Mehr Leadership für bessere Schulen

Wie jede Organisation profitieren auch Schulen von einer guten Führung. Die Schulleitung hat viele wichtige Bereiche zu verantworten: etwa das Erstellen des Schulentwicklungsplans, klare Kommunikation und optimalen Ressourceneinsatz. Sie muss die Unterrichtsqualität sichern und das gesamte Personal der Schule managen. Jede Weiterentwicklung im Bildungsbereich kann also nur mit einer gut aufgestellten Schulleitung wirken und wird durch Führungsqualitäten verstärkt.

Das Ziel ist, dass die besten und führungsstärksten Personen für die Schulleitung ausgebildet werden, um auf die vielfältigen Aufgaben vorbereitet zu sein. Die Auswahl findet auf Basis der Eignung und Motivation statt und ist zentraler Bestandteil von wirksamem Management im Schulsystem.

Neben den Schulleitungen und Lehrkräften sind im Schulwesen viele weitere Menschen tätig, ohne deren Einsatz der Schulbetrieb nicht gelingen würde. Dazu zählen u.a. Freizeitpädagogik, psychosoziales Supportpersonal, Schulärztinnen und Schulärzte, Schulassistenz, Schulsekretariate, Schulwarte und die Bildungsverwaltung. Ihnen allen gebührt unsere Anerkennung für ihren wertvollen Beitrag.

„Als Schulleitung ist man zuständig dafür, dass für Schüler:innen und Lehrer:innen ein gutes Umfeld geschaffen wird, in dem gut gelernt und gearbeitet werden kann, und gleichzeitig, dass man schaut, dass die Schule sich weiterentwickelt.“ (Mag. Christof Laumer, Schulleiter BAfEP Amstetten)

Modernes Management und geteilte Verantwortung

Die Ausbildung und die Begleitung von Schulleitungen werden neu aufgesetzt – bundesweit einheitlich und professionell. Zentrale Inhalte sind Kommunikation, Personalführung sowie Change- und Qualitätsmanagement. Zusätzlich sollen Kongresse, Peer-Mentoring und gezielte Fortbildungen Schulleitungen aller Generationen stärken. Ziel ist es, von Trainer:innen und Profis aus anderen Bereichen zu lernen, aber auch voneinander.

Die Verantwortung für die Leitung von Schulen soll durch ein Team übernommen werden. So können Bereiche wie pädagogische Arbeit, Kommunikation, Administration sowie Personal- und Schulentwicklung voneinander getrennt und besser aufgeteilt werden. Durch zusätzliche Ressourcen, die Flexibilisierung des Dienstrechts und spezielle Fortbildungen wird Leadership an der Schule gestärkt und die Personalverantwortung am Standort in die Hände der Schulleitung gelegt.

Bewerbung und Auswahl von Führungskräften werden transparent und unabhängig durchgeführt, um die Qualifikation der zukünftigen Schulleitung sicherzustellen. Die Entlohnung muss der Verantwortung als Top-Führungskraft gerecht werden.

Besonders an großen Schulen wird zwischen pädagogischer und administrativer Leitung unterschieden werden. Erfahrene Führungskräfte aus anderen Organisationen sollen an die Schulen geholt werden. Dadurch werden die Standorte professionell entwickelt und hohe Unterrichtsqualität garantiert.

Schulqualitätsmanagement

Wichtige Partner im Wandel

Mit der Bildungsreform 2017 wurde die Schulaufsicht in Österreich zu einem wichtigen Partner für Schulen. Sie ist heute weniger Kontrollinstanz und hat eher eine begleitende, unterstützende und datenbasierte Funktion bei der Steuerung. Die Schulaufsicht setzt klare Ziele und Qualitätsstandards, überprüft Ergebnisse transparent und stärkt dabei die Eigenverantwortung der Schulen. Dabei arbeitet sie eng mit Schulleitungen zusammen und fördert Schulentwicklung. Daten, Evidenz und Evaluationen sind dabei die Basis für laufende Verbesserung und die Einhaltung von Chancengerechtigkeit.

Gemeinsam innovative und autonome Schulen entwickeln

Wir haben ein klares Bild, wie Schulaufsicht und externe Evaluation in Zukunft die Schulen als starke Partnerinnen begleiten. Beratungskompetenz, Transparenz und Vertrauen sind dabei besonders wichtig. Es soll eine Beziehung entstehen, die inspiriert und den Schulleitungen zur Seite steht.

Wo mehr Schulautonomie möglich ist, wird die Schulaufsicht wichtiger, weil sie Orientierung geben kann und Qualität sichert. Der Entscheidungsspielraum braucht klare Ziele, transparente Rechenschaft und Unterstützung. Moderne Schulaufsicht sorgt dafür, dass Freiräume wirksam genutzt und Bildungsziele erreicht werden.

Erhöhte Autonomie, Vertrauen und Rechenschaftslegung

Wir geben den Schulen größere Handlungsspielräume im Bereich Personal, Pädagogik und Organisation, damit sie ihr eigenes Profil entwickeln und Innovation ermöglichen können. Die Schulaufsicht sorgt dafür, dass zentrale Reformen qualitätsvoll umgesetzt werden. Sie hat einen neuen Fokus, der sich auf die Messung von Fortschritt und das Erreichen von Zielen richtet. Dabei helfen verfügbare Daten aus dem Bildungsmonitoring, Feedback und Evaluation. Sie arbeitet außerdem Chancen für gemeinsames Lernen, Reflexion und Verbesserung heraus. Das Ergebnis: Offenheit, kollegialer Dialog und eine positive Fehlerkultur, die Mut macht und positiven Wandel vorantreibt.

Auch die Schulaufsicht selbst wird von uns unterstützt und professionalisiert: durch moderne Aus- und Weiterbildungen und ausgebaute Datengrundlagen. Dazu kommen neue Kompetenzen in der Beratung und im Change- und Prozessmanagement. So schaffen wir innovative Methoden und Netzwerke und Raum für Reflexion, Entwicklung, Partizipation.

Erfolgsgeschichten aus Europa

Die OECD betont, dass Schulaufsicht in autonomen Schulsystemen besonders wirksam ist, wenn sie sich auf Qualitätsentwicklung statt auf Kontrolle fokussiert. Erfolgreich sind Aufsichtssysteme, die Ziele und Standards setzen, daten- und evidenzbasiert arbeiten, Schulen beratend begleiten und gleichzeitig Rechenschaft und Chancengerechtigkeit sichern. In Europa zeigen Länder wie die Niederlande, Finnland und Dänemark, die diesen Weg gehen, tendenziell bessere PISA-Ergebnisse.

Lehrplanentwicklung

Anpassungsfähig und zukunftsoffen werden

Moderne Lehrpläne sind auf Weiterentwicklung ausgelegt. Bildungssysteme müssen auf Veränderungen in Wirtschaft, Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt reagieren können. Die Grundstruktur der Lehrpläne soll dabei stabil bleiben. Ein Rahmenlehrplan gibt Orientierung, definiert verbindliche Ziele und macht pädagogische Freiräume nutzbar. Agile, partizipative Lehrplanentwicklung mit flexiblen Möglichkeiten sorgt für aktuelle und interessante Inhalte.

Laufende Entwicklung: Zyklische Review-Prozesse

Finnland zeigt vor, wie das funktioniert: Der Lehrplan wird alle zehn Jahre grundlegend überarbeitet, dazwischen sorgen Feedbackschleifen für Anpassungen. Die Provinz Ontario in Kanada hat einen systematischen Review-Prozess mit unabhängiger Forschung, internationalem Benchmarking und Fokusgruppen – online wie persönlich.

Durch definierte Phasen mit Zeitpuffern für Überarbeitungen werden Lehrpläne zu lebendigen Dokumenten, die sich mit den gesellschaftlichen Anforderungen weiterentwickeln. Eine gezielte Steuerung von Lehrplanentwicklungen hilft dabei, Inhalte besser aufeinander abzustimmen. Sie können stufen- und fächerübergreifend aufgebaut werden.

Breite Einbindung und digitale Transparenz

Die Beteiligung von Lehrkräften, Schulen, Eltern und Lernenden steigert Akzeptanz und Qualität. Wer an der Entwicklung beteiligt ist, trägt die Ergebnisse mit und setzt sie engagierter um. Vielfältige Perspektiven erhöhen die Umsetzbarkeit und sorgen für Relevanz. Digitale Feedback-Plattformen revolutionieren die Lehrplanentwicklung. Eine zentrale Plattform für Echtzeit-Eingaben könnte sammeln, analysieren und transparent nachverfolgen. Lehrkräfte melden, wo Lehrplaninhalte in der Praxis nicht funktionieren. Schulen teilen Best Practices. Die Bildungsverwaltung erhält Rückmeldungen und kann optimieren und justieren. Lehrpläne bleiben fachlich konsistent und praxistauglich.

Flexibles Kontingent für aktuelle Themen

Ein Kontingent von zehn bis zwanzig Prozent der Unterrichtszeit für aktuelle Themen sichert Relevanz. Der Lehrplan balanciert Stabilität mit Aktualität: Die Grundkompetenzen bleiben verbindlich und langfristig angelegt, während aktuelle Schwerpunkte flexibel gesetzt werden können. Zusätzlich lässt die Unterrichtsorganisation mehr schulautonomen Gestaltungsspielraum bei der Verteilung und Bündelung von Unterrichtsstunden. Schulen können entscheiden, welche aktuellen Themen sie jährlich vertiefen – abgestimmt auf ihre Schülerinnen und Schüler, ihre Region und ihre Schwerpunkte.

Was sich durch agile Lehrplanentwicklung ändert

Durch kontinuierliche, partizipative Lehrplanentwicklung entsteht ein System, das auf Veränderung ausgerichtet ist. Lehrkräfte erleben nicht alle paar Jahre eine vollständige Umstellung, sondern Weiterentwicklung. Sie werden eingebunden und können ihre Erfahrung aus der Praxis einbringen. Das erhöht die Akzeptanz und erleichtert die Umsetzung. Für Schüler/innen werden Lehrpläne dadurch verständlicher und sinnstiftender: Sie sehen Zusammenhänge über Fächer und Schulstufen optimal verteilt und erkennen besser, warum sie relevant sind.

Verschiedene Lernmaterialien wie Bücher, Notizblöcke, Stifte und anatomische Modelle liegen auf einem Tisch, ergänzt durch Bleistiftspänen.

Lehrpläne neu anwenden

Von der Norm zur Navigation

Ein guter Lehrplan ist wie ein Reiseführer: Er zeigt mögliche Wege und macht Lust auf die Reise. Aktuell sind Lehrpläne in Österreich statische PDF-Dokumente – schwer durchsuchbar, unübersichtlich, ohne Kontext. Änderungen erreichen Lehrkräfte oft zu spät oder über Umwege. Fehlende Verknüpfungen zu Materialien führen zu Frustration.

Unsere Vision: Der Lehrplan als persönlicher Coach

In Zukunft sollen Lehrkräfte und auch Eltern einen Lehrplan zur Verfügung haben, der informiert und aktiv unterstützt. Er soll zum interaktiven System werden, das komplexe Inhalte verständlich macht, passende Materialien vorschlägt und die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen erleichtert.

Schulaufsicht und Schulmanagement spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie begleiten die Umsetzung, unterstützen Pädagoginnen und Pädagogen bei der Implementierung und stellen sicher, dass Änderungen zeitnah verstanden und angewendet werden. So wird aus einem digitalen Werkzeug echte Schulentwicklung.

Die vier Bausteine für einen Lehrplan der Zukunft

  • Alles an einem Ort: In der kanadischen Provinz Ontario sind Lehrpläne mit Materialdatenbanken und Fortbildungen vernetzt. Ein Klick führt von der Theorie zur Praxis. Auch Neuseeland nutzt solche innovativen Lehrplan-Plattformen. Die Erfahrung zeigt: Wenn Technologie Lehrkräfte entlastet, steigt die Zufriedenheit und auch die Qualität des Unterrichts. Österreich kann von diesen Modellen lernen und sie an die eigenen Bedürfnisse anpassen: Automatische Verlinkungen zu Eduthek, Schulbuchinhalten und Lernmanagementsystemen können ein vernetztes Ökosystem schaffen.
  • KI als persönlicher Assistent: Komplexe Inhalte der Lehrpläne werden durch KI in einfachere Sprache übersetzt oder als kurze Erklärvideos aufbereitet. Lehrkräfte können per Sprachsteuerung fragen: „Zeig mir alle Inhalte zu Deutsch in der 4. Schulstufe.” Die Plattform lernt dazu und schlägt individuelle Vertiefungen vor – adaptiv und praxisnah. Technologie schafft es, eine Brücke zwischen Lehrplan und Unterrichtspraxis zu bauen.
  • Übersichtlich und barrierefrei: Lehrpläne werden modular aufgebaut: filterbar nach Fächern, Kompetenzen und Altersstufen. Farbcodierungen unterscheiden Pflicht- von Wahlinhalten, Symbole markieren Neuerungen oder Vertiefungen. Personalisierte Ansichten, Screenreader-Optimierung und einfache Sprache werden zum Standard – damit wirklich alle Lehrkräfte profitieren können.
  • Gamification – Fortschritt sichtbar machen: Badges belohnen Meilensteine, Community-Challenges fördern den Austausch zwischen Schulen. Lehrkräfte bewerten Inhalte und geben Feedback – die Plattform passt sich in Echtzeit an. So entsteht ein motivierendes System, das kontinuierlich besser wird.

Vision pädagogische Ausbildung

„In der Ausbildung muss für alle enthalten sein, wie ich mit Kindern mit Beeinträchtigungen und Lernstörungen umgehe. Das muss einfach jeder wissen und können. Unterrichten ist ein Handwerk und dafür braucht man einfach ein gutes Werkzeug.“ (Dipl.Päd. Daniela Jagsch-Budschedl, BEd, Direktion Heilstättenschule Wien)

Praxisnähe in der School of Education

Im Zentrum unseres Reformvorhabens „School of Education“ steht die Frage, wie wir den bestmöglichen pädagogischen Nachwuchs für Österreich gewinnen und ausbilden können.

Denn Bildung fürs Leben braucht exzellente Pädagoginnen und Pädagogen, die die Herausforderungen in der Klasse oder Kindergartengruppe bewältigen. Sie sorgen dafür, dass Lernprozesse gelingen und die Potenziale der Kinder und Jugendlichen bestmöglich gehoben werden.

Die Ausbildung für Lehrerinnen und Lehrer wird momentan weder quantitativ noch qualitativ den hohen Anforderungen gerecht: Der Bedarf ist viel höher als die Zahl der Absolvierenden. Und aus den Schulen kommt oft die Rückmeldung, dass die neuen Lehrkräfte nicht passend auf die schulische Praxis vorbereitet sind. Dass Verbesserungen bei der Erstausbildung notwendig sind, zeigen auch die internationale TALIS-Studie und die Junglehrkräfte-Befragung des BMB. Auch die komplexe Organisationsstruktur mit fast 30 involvierten Hochschulen ist nicht optimal.

Einheitliche und praxisnahe Ausbildung als Ziel

Wir wollen ein effizient organisiertes, praxisnahes und qualitätsgesichertes Ausbildungssystem schaffen. Dazu wollen wir Pädagogische Hochschulen und die universitären Lehramtsbereiche organisatorisch zusammenzuführen zu einer gemeinsamen „School of Education“.

An den Schools of Education soll für die gesamte Palette an pädagogischen Berufen ausgebildet und geforscht werden. Gemeinsame Kernmodule erhöhen die Durchlässigkeit zwischen Elementar-, Primarstufen- und Sekundarstufen-Pädagogik, indem ein Wechsel durch ein berufsbegleitendes Erweiterungsstudium ermöglicht wird. Ein ausgewogenes Verhältnis von Theorie und Praxis sorgt dafür, dass die angehenden Lehrkräfte moderne Arbeitsweisen und Methoden im Studium erlernen und anwenden können. Hinzu kommen klare Kompetenzprofile für alle pädagogischen Berufe und darauf abgestimmte, einheitliche Aufnahmeverfahren.

Stärken bündeln, Strukturen verschlanken

Wir bündeln alle Akteurinnen und Akteure der Lehrkräftebildung unter einem Dach. Auf diesem gemeinsamen Boden kann eine gemeinsame Identität wachsen und eine einheitliche Ausbildungskultur entstehen. Wir reduzieren dadurch auch Verwaltungsaufwand und Doppelstrukturen, indem wir die Governance verschlanken, Zuständigkeiten klar ordnen und Entscheidungsprozesse vereinfachen. Das Kohortensystem hilft, die Abschlussquoten zu verbessern, und über gezielte Steuerungs- und Förderinstrumente können wir den künftigen Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern besser abdecken. Für Studierende fallen organisatorische Hürden weg.

Autonom und forschungsbasiert

Die Schools of Education als autonome Hochschulen stärken den Praxisbezug der Ausbildung und sind außerdem starke Forschungseinrichtungen mit Promotionsrecht. Damit fördern wir pädagogische und didaktische Innovation und eine Verknüpfung von Forschung und Lehre.

Eine Aufgabe der School of Education wird es auch sein, den Austausch mit anderen Berufen und Branchen zu stärken. Wer sich im Lehrberuf nicht wohlfühlt oder nicht bewährt, soll Anküpfungspunkte für einen Umstieg finden. Der qualifizierte Quereinstieg ins Lehramt soll verankert bleiben.

Um das Ziel zu erreichen, an den Schools of Education die bestmöglichen Bedingungen für die Ausbildung der nächsten Generation von Unterrichtenden zu schaffen, binden wir alle Stakeholder in einen partizipativen Prozess ein. So kann gemeinsam das beste Modell für eine zukunftsfitte pädagogische Ausbildung entwickelt werden.

Infografik zur Einschätzung von Absolvent:innen der Lehramtsstudien über ihre Vorbereitung auf den Schulalltag: 39 % eher schlecht, 22 % sehr schlecht, 30 % teils/teils, 7 % eher gut, 1 % sehr gut und 2 % weiß nicht (Quelle: Hajek, 2025). Ein Kind mit langen roten Haaren arbeitet konzentriert mit den Händen an einem Objekt, dekoriert mit Bleistiftspänen.

Schulbuchaktion 2.0

Gleichberechtigung für alle Medienformate

Die Schulbuchaktion garantiert allen Kindern in Österreich Zugang zu qualitätsvollen Unterrichtsmaterialien – unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern. In Zukunft sollen gedruckte Bücher, Lern-Apps und interaktive Lernprogramme gleichberechtigt behandelt werden. Die Lehrkräfte treffen die Entscheidung, welches Medium zum Unterricht passt.

Warum Veränderung nötig ist

Heute fließt nur ein Bruchteil der Mittel in digitale Lernmittel. Bis sie zugelassen werden, dauert es oft lange. Die entsprechenden Verfahren sind schwer durchschaubar und oft frustrierend.

Digitale Lernmittel können den individuellen Lernfortschritt besser sichtbar machen – auch über unterschiedliche Bildungsmedien hinweg. Lehrkräfte erkennen schneller, wo Schülerinnen und Schüler Unterstützung brauchen, welche Inhalte verstanden wurden und wo noch geübt werden muss. Diese datengestützte Förderung ermöglicht gezielte Hilfe – ein Vorteil gegenüber klassischen Schulbüchern.

Metastudien haben gezeigt, dass technologiegestützte personalisierte Lernformen positive Effekte auf Lernleistungen und auf Lernmotivation und -wahrnehmung erzielen. Und dennoch: Obwohl digitale Tools unmittelbares Feedback ermöglichen, sich dem individuellen Lernstand anpassen und die Motivation steigern, bleiben sie Randerscheinungen. Die OECD betont, dass moderne Bildungssysteme auf eine flexible Kombination aus analogen und digitalen Lernmitteln setzen sollen, um individualisiertes Lernen zu ermöglichen und Lehrkräfte zu entlasten.

Ein System für alle

Die Schulbuchaktion 2.0 schafft Gleichberechtigung zwischen Medienformaten. Ein gedrucktes Buch, eine Lern-App, ein interaktives Lernprogramm – alle werden nach denselben Qualitätsstandards geprüft und aus demselben Budget finanziert. Lehrkräfte sollen die Freiheit haben, das richtige Werkzeug für ihren Unterricht zu wählen. Budgetgrenzen zwischen analog und digital werden überwunden.

Nur wenn alle Lehrkräfte die neuen Möglichkeiten nutzen können, profitieren alle Schülerinnen und Schüler. Deshalb sind umfassende Schulungen zentral. Lehrkräfte lernen den Umgang mit der Technik und wie sie didaktisch sinnvoll eingesetzt wird. Besonders wichtig: Weniger technikaffine Kolleginnen und Kollegen werden gezielt unterstützt.

Transparenz im Zulassungsverfahren

Das Approbationsverfahren wird transparent gestaltet. Eine öffentliche Plattform zeigt alle Schritte: Welche Lehrmittel wurden eingereicht? Wer hat sie geprüft? Welche Gutachten liegen vor?

Lehrkräfte, Schülerinnen, Schüler und Eltern können Feedback geben. Dieses wird systematisch erfasst und bei künftigen Bewertungen berücksichtigt. So entsteht ein System, das aus der Praxis lernt, sich anpasst und Innovation vereinfacht.

Qualität und Flexibilität

Die fachliche Prüfung durch Expertinnen und Experten bleibt, denn pädagogische Qualität hat Priorität. Die Qualitätssicherung wird jedoch durch Praxiswissen ergänzt. Was in der Theorie gut klingt, muss auch in der Realität funktionieren.

Estland betreibt ein integriertes digitales Ökosystem, in dem Lernplattformen und Feedbackschleifen systemisch verbunden sind. Schulen greifen auf geprüfte digitale Ressourcen zu, die durch Rückmeldungen weiterentwickelt werden – ein Modell, das die OECD als leistungsfähig hervorhebt.

Die Schulbuchaktion 2.0 folgt diesem Prinzip: Sie verknüpft Expertise, Evidenz und Erfahrungswissen zu einem Rahmen, der Qualität sichert und Raum für Neues lässt.

Ein zukunftsfähiges System

Die Schulbuchaktion 2.0 ist ein Bekenntnis dazu, dass Lernen im 21. Jahrhundert vielfältig ist. Manche Inhalte sind in einem Buch besser erklärt und andere in einer interaktiven App.

Schulen erhalten die Werkzeuge, die sie brauchen, Lehrkräfte die Freiheit, die sie verdienen, und alle Kinder Zugang zu Lernmitteln, die auf die Zukunft vorbereiten.

Mädchen im weißen Hoodie auf orangefarbenem Sessel, vor ihm eine spiralförmige Bleistiftspäne.

Marktplatz Lernapps

Digitale Angebote optimal nutzen

Digitale Angebote können Schulbücher dort ergänzen, wo diese an Grenzen stoßen: Sie ermöglichen unmittelbares Feedback bei Übungen, passen sich dem individuellen Lernstand an und steigern durch interaktive Elemente die Motivation – besonders in Fächern, in denen abstrakte Inhalte oft schwer vermittelbar sind.

Mit dem „Marktplatz Lernapps“, der 2026 seine Pilotphase beginnt, wird die digitale Verbindung zur Schulbuchaktion geschaffen. Hier können Schülerinnen und Schüler auf verschiedene Apps und Tools zugreifen, die im Unterricht verwendet werden.

Studien und Praxisberichte zeigen, dass gut eingesetzte Lernapps nicht nur den Unterricht bereichern, sondern auch Lehrkräfte entlasten, indem sie Aufgaben wie Korrekturen oder Differenzierung übernehmen. Gleichzeitig fördern sie selbstständiges Lernen. Schülerinnen und Schüler können in ihrem eigenen Tempo arbeiten und sofort erkennen, wo sie noch Übung brauchen.

Vom linearen Buch zum vernetzten Lernen

Digitale Lernmittel ermöglichen fächerübergreifende Projekte, die mit klassischen Schulbüchern kaum umsetzbar wären. Statt linearer Lernpfade entstehen modulare Netzwerke: Lehrkräfte kombinieren Materialien aus verschiedenen Fächern für projektbasierten Unterricht – etwa zu Klimawandel oder Digitalisierung.

Dieser Wandel erfordert auch neue Geschäftsmodelle: Statt „1 Fach, 1 Buch“ wird präzise abgerechnet, was genutzt wird. So entsteht Wettbewerb um die besten Inhalte und Raum für kreative, interdisziplinäre Formate.

Alle Schulen sollen dabei Zugang zu geprüften, hochwertigen digitalen Lernmitteln erhalten – ohne zusätzliche Kosten. Der Marktplatz wird zur zentralen Anlaufstelle und die Lehrkräfte werden entlastet.

Praxisnahe Umsetzung und garantierte Qualität

Der Marktplatz baut auf dem „Gütesiegel Lern-Apps“ des BMB auf. Alle zertifizierten Anwendungen erfüllen bereits hohe Standards in Didaktik, Datenschutz und technischer Zuverlässigkeit. Lehrkräfte finden hier nur Apps, die diese Qualitätskriterien erfüllen.

Die Finanzierung läuft über das bestehende Fördermodell des BMB. Den Schulen entstehen keine zusätzlichen Kosten. Wer eine App entwickelt, erhält eine sichtbare Plattform und direktes Feedback aus der Praxis. So entsteht ein dynamischer Kreislauf: Schulen profitieren von qualitätsgesicherten Apps, während Entwickelnde ihre Tools weiter verbessern können.

Die Qualitätskontrolle wird dabei agiler: Neben klassischen Prüfverfahren nutzen digitale Feedbacksysteme die Expertise von Lehrkräften, um Materialien schneller zu verbessern.

Gleichzeitig schafft der Marktplatz neue Chancen für österreichische EdTech-Start-ups. Es entsteht eine sichtbare Bühne, um ihre innovativen Lösungen an Schulen zu bringen. Das stärkt den Bildungs- und den Wirtschaftsstandort und sorgt für lokale Wertschöpfung.

Ein Junge mit roten Haaren sitzt konzentriert vor einem Computer an einem Schreibtisch mit Notizbuch und Tastatur, ergänzt durch dekorative Bleistiftspäne.

Quellenverzeichnis

  • BMBWF: Gesamtstrategie Leseförderung
  • Education Scotland: Curriculum for Excellence
  • Finnish National Agency for Education (EDUFI)
  • Gailberger, S./Universität Kiel: Konzept Leseband
  • Hamburger Schulbehörde: Evaluationsergebnisse Leseband
  • Lebenswelten Jugendstudie der Pädagogischen Hochschulen Österreichs, 2026
  • OECD (2006): Personalising Education
  • OECD (2010): Innovative Learning Environments
  • OECD (2018): Social and Emotional Skills
  • OECD (2019): Future of Education and Skills 2030 – Learning Compass
  • OECD (2020): Curriculum Overload: A Way Forward
  • Ontario Ministry of Education: Curriculum Review Process
  • Peter Hajek Public Opinion Strategies, Umfrage: Plan Zukunft: Bildung fürs Leben, Jänner 2026. Meinungsumfrage im Auftrag des BMB im Jänner 2026, an der sich rund 45.000 Lehrer:innen, Schüler:innen und Eltern beteiligten.
  • Rasfeld, M.: FREI DAY – Die Welt verändern lernen (2021)
  • Statistik Austria: Gesundheitsbefragung
  • Statistik Austria (2024): PIAAC 2022/23
  • Triple M Matzka Markt- und Meinungsforschung, Elternbefragung zur Bildung in Österreich, April 2024
  • UNESCO (2025): AI and the Future of Education
  • World Economic Forum (2023): Future of Jobs Report
  • Zheng, L., Long, M., Zhong, L., & Gyasi, J. F. (2022). “The effectiveness of technology-facilitated personalized learning on learning achievements and learning perceptions: A meta-analysis." Education and Information Technologies.
Abschlussbild des Dokuments